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['solid] in Wolfenbüttel gegründet

Solid, die sozialistische Jugend, gründete Ortsgruppe für Landkreis Wolfenbüttel

Zwei gleichberechtigte Sprecher

WOLFENBÜTTEL. Mehr als ein Dutzend Mitglieder und Sympathisanten des PDS-nahen Jugendverbandes Solid, die sozialistische Jugend, gründeten eine Ortsgruppe für den Landkreis Wolfenbüttel. Solid-Wolfenbüttel ist damit die landesweit größte Ortsgruppe.

An der Gründungsversammlung nahmen als Gäste der Sprecher der PDS Wolfenbüttel, Roland Kretschmer, und der DDR-Bürgerrechtler, Ret Langmeier, teil. Zu Beginn der Versammlung wurden mit André Owczarek und Victor Perli zwei gleichberechtigte Sprecher, sowie Natascha Owczarek als Schatzmeisterin gewählt.

Verabschiedet wurde außer einer Satzung auch eine Gründungserklärung, in der es zu Beginn heißt: “Wir sind junge Leute, die Politikverdrossenheit, Arbeitslosigkeit, Bildungsmisere, Sozialabbau und noch einige andere Missstände in diesem Land und dieser Gesellschaft satt haben und nicht mehr nur zusehen wollen.” Für den sozialistischen Jugendverband stelle die Ausbeutung und Unterdrückung des Menschen durch den Menschen das Grundübel der Gesellschaft dar.

Um dieses zu überwinden, sei für die Jugendlichen der demokratische Sozialismus notwendiges Ziel, so das Papier. Kritisch befasst sich Solid-Wolfenbüttel auch mit der DDR. “Der autoritäre Staatssozialismus der DDR kann für uns kein Vorbild sein”, heißt es in dem Papier. Es gebe zudem keine Rechtfertigung für stattgefundene Verbrechen an Menschen und Menschenrechten. Stattdessen stehe der Jugendverband für eine solidarische, humane und demokratische Gesellschaft, in der jeder, unabhängig von sozialer Stellung, Herkunft und Geschlecht, die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben habe. “Wir wollen, dass Schwache nicht mehr schwach, Einzelne nicht länger allein und Fremde nicht länger fremd sind.”

Zum Abschluss der Veranstaltung folgte ein Gespräch mit dem 1984 aus der DDR ausgewiesenen Bürgerrechtler, Ret Langmeier. Themen waren unter anderem der Bau der Berliner Mauer, die Bürgerbewegung in der DDR und Langmeiers heut iges politisches Engagement als Sympathisant der PDS.

Dabei betonte Langmeier, dass gerade Sozialisten und Kommunisten zu den schärfsten Kritikern der autoritären Staatsführung der DDR gehörten. Als Beispiele dafür nannte er unter anderem Stefan Heym, Rudolf Bahro und Robert Havemann. Er wies aber auch darauf hin, dass die Politik der Bundesrepublik nicht zur Verbesserung der deutsch-deutschen Beziehungen beigetragen habe. Sein Hauptkritikpunkt war hierbei die jahrzehntelange Nicht-Anerkennung der Souveränität der DDR.

In den nächsten Wochen wird sich die Arbeit des Jugendverbandes vor allem auf die Kommunalwahl konzentrieren. Drei Solid-Mitglieder kandidieren für die PDS. Mitte September wird sich die Wolfenbütteler Ortsgruppe zudem mit Aktionen und Infoständen an der bundesweiten Solid-Kampagne zur Bildungs- und Ausbildungspolitik beteiligen.

[Wolfenbütteler Zeitung, 28. August 2001]