Hallo Welt!
Ja, noch einer mit einem Weblog. Ein Hobby als mainstreamförmiger Selbstoffenbarungsdrang für eine an PC und Web gefesselte Generation? Keine Sorge! Ich will niemandem mit einem Tagebuch langweilen. Warum dann ein eigenes kleines Privatmedium?
Spannend ist, dass durch viele kleine Medienmacher, das was man die “öffentliche Meinung” nennt in einem urdemokratischen und transparenten Sinne vergesellschaftbar wird. Schließlich ist der Mensch in der modernen Gesellschaft wie nie zuvor einer gewaltigen Gewalt meinungsmachender, konzerngemachter Medien (allen voran Fernsehen, Radio und Zeitungen) unterworfen, deren Kommunikation nur in eine Richtung verläuft: vom Sender zum Empfänger. Der Sender hat eine Machtposition, die Emfänger sind die Beherrschten.
Mit Herbert Marcuse lässt sich ein Bogen zur Kritik des “Großen und Ganzen” schlagen: “Die Erzeugnisse durchdringen und manipulieren die Menschen; sie befördern ein falsches Bewußtsein, das gegen seine Falschheit immun ist. Und indem diese vorteilhaften Erzeugnisse mehr Individuen in mehr gesellschaftlichen Klassen zugänglich werden, hört die mit ihnen einhergehende Indoktrination auf, Reklame zu sein; sie wird Lebensstil, und zwar ein guter – viel besser als früher -, und als guter Lebensstil widersetzt er sich qualitativer Änderung. So entsteht ein Muster eindimensionalen Denkens und Verhaltens, worin die Ideen, Bestrebungen und Ziele, die ihrem Inhalt nach das bestehende Universum von Sprache und Handeln transzendieren, entweder abgewehrt oder zu Begriffen dieses Universums herabgesetzt werden. Sie werden neubestimmt von der Rationalität des gegebenen Systems und seiner quantitativen Ausweitung.“ (Herbert Marcuse, Der eindimensionale Mensch)
Die am höchsten hängenden Früchte der digitalen Revolution, also ein öffentliche und potentiell von jedem Menschen mitgestaltbare Medienwelten, sind noch längst nicht ausgereift. Aber sie bergen die Perspektive, die heute nur von wenigen gemachte “öffentliche Meinung” einer von vielen Menschen in offenen und diskursiven Prozessen entwickelten Meinungskultur zu unterwerfen. Davon ist diese Gesellschaft aber noch weit entfernt.
Das Bloggen als offene Kommunikationsform steht konträr zur eindimensional gemachten öffentliche Meinung medialer, staatlicher oder kurz gesellschaftlicher Institutionen. In diesem Zusammenhang kann es schon heute die Funktion der Kontrolle – und damit der gebündelten publik gemachten Kritik – ausüben. Das ist ein Fortschritt. “Wer in der Öffentlichkeit Kegel schiebt, muß sich gefallen lassen, daß nachgezählt wird, wieviel er getroffen hat”, wusste zum Prinzip schon Kurt Tucholsky.
Dieser Grundidee will ich mich also widmen. Dabei habe ich keinen Plan was hier stehen wird oder was eben nicht. Viel zu sehr würde ich damit beschränken und reduzieren. Für mich ist der offene Moment, der überraschende Effekt, der spontane Gedanke entscheidend dafür mich an diesem Medium auszuprobieren: politisch, passioniert und provokant. Aber sicher nicht ohne Witz und Relativierung angesichts der wirkungsrelevanten Begrenzheit allen individuellen Tuns.
Sei eingeladen hier mitzulesen, zu kommentieren und zu widersprechen. Ich freue mich drauf.







Du bist ein Held.
Perli for president!