“Braune Wurzeln – Alte Nazis in den niedersächsischen Landtagsfraktionen von CDU, FDP und DP”

DIE LINKE stellt historische Broschüre vor: „Braune Wurzeln – Alte Nazis in den niedersächsischen Landtagsfraktionen von CDU, FDP und DP – zur NS-Vergangenheit von niedersächsischen Landtagsabgeordneten in der Nachkriegszeit“

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Hannover. Die Fraktion DIE LINKE im Niedersächsischen Landtag hat heute ihre Broschüre „Braune Wurzeln – Alte Nazis in den niedersächsischen Landtagsfraktionen von CDU, FDP und DP – zur NS-Vergangenheit von niedersächsischen Landtagsabgeordneten in der Nachkriegszeit“ vor Journalisten in Hannover vorgestellt. Die Linksfraktion hatte den Oldenburger Historiker Dr. Hans-Peter Klausch beauftragt, exemplarisch die seit 1947 gewählten Landtagsabgeordneten der konservativen Fraktionen hinsichtlich ihrer NS-Vergangenheit zu überprüfen. Anlass war eine Aussage des parlamentarischen Geschäftsführers der CDU-Fraktion, Dr. Bernd Althusmann, der während der Plenarsitzung des Niedersächsischen Landtages im Mai erklärt hatte: „…Meine Damen und Herren, die CDU hat ihre geistigen und politischen Wurzeln im christlich motivierten Widerstand gegen den Terror des Nationalsozialismus. Das ist die Wahrheit.“ (Protokoll S. 626).

„Wir wollen eine ehrliche Aufarbeitung der Geschichte des Landtages“, sagte Hans-Henning Adler, stellvertretender Vorsitzender der Linksfraktion. Klauschs Untersuchungsergebnisse seien eindeutig; was der Historiker herausgefunden habe, könne man ohne Übertreibung als Enthüllung bezeichnen. Mindestens 71, wahrscheinlich eher mehr ehemalige Abgeordnete des Niedersächsischen Landtages seien nicht nur Mitglieder der NSDAP gewesen, sie hatten teilweise im Nazi-Staat auch herausgehobene Funktionen. „Nicht wenige waren auch schon vor der Machtergreifung Hitlers Mitglied der NSDAP, taten dies also aus Überzeugung, nicht etwa nur, um die Karriere zu fördern“, erklärte Adler. Besonders erschreckend sei, dass Mitglieder des Niedersächsischen Landtages während ihrer Nazi-Zeit auch an der Juden-Verfolgung beteiligt waren. Unter ihnen der spätere Landtagsabgeordnete der CDU, Freiherr Otto von Fircks. Am 31. Januar 1940 schrieb Fircks aus Lodz/Litzmannstadt: „Mit der Evakuierung geht es dort sehr gut vorwärts. Bis zum 12. Februar wird mit der Heraussetzung der Juden Schluß sein, dann kommen die Polen an die Reihe.“

Die Broschüre sei nicht einmal vollständig, betonte Adler. „Eine noch gründlichere Aufarbeitung ist angezeigt, weil die Herausforderungen der Gegenwart nur gemeistert werden können, wenn man auch die Vergangenheit im Blick hat und bereit ist, aus den Lehren der Geschichte Konsequenzen zu ziehen.“ Die Linksfraktion will nun einen Entschließungsantrag in den Landtag einbringen, in dem die Bildung einer historischen Kommission gefordert wird. Die Kommission soll das biografische Lexikon des Landtags überarbeiten, erklärte Adler.

Zur Person: Dr. Hans-Peter Klausch ist ein in Oldenburg lebender Historiker, dessen Forschungsschwerpunkt die NS-Zeit ist. Seine zahlreichen Publikationen behandeln die Straf- und Bewährungseinheiten der Wehrmacht und der Waffen-SS, die jüdische Geschichte sowie das nationalsozialistische Lagersystem. Kauschs jüngste Buchveröffentlichung ist „Tätergeschichten. Die SS-Kommandanten der frühen Konzentrationslager im Emsland“.

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