Perli im Portrait: “Linker Musterschüler”
Erschienen am 21.11.2008 in “Rundblick/Nord-Report, Redaktionsdienst für niedersächsische Landespolitik”
Linker Musterschüler
(rb) Die Auseinandersetzung der bürgerlichen Parteien mit den Linken erschöpft sich noch darin, entweder nicht gemeinsam mit Angehörigen der SED-Nachfolgepartei wahlweise mit Kommunisten auf Podien oder in Talkshows sitzen zu wollen oder ihnen ihre altbackenen Klassenkampf-Litaneien und DDR-Verliebtheiten um die Ohren zu hauen. Die Grünen sind bisher eher nachsichtig mit der neuen Konkurrenz umgegangen und reagieren nur dann pikiert, wenn die Linken frech in angestammten Terrains wie der Anti-Atomkraft-Bewegung wildern oder behaupten, sie wären das einzige soziale Gewissen unserer Gesellschaft.
Für den Umgang mit dem Linken-Nachwuchs sollten sich die etablierten Parteien aber schon jetzt neue Gegner-Strategien überlegen. Ein gutes Beispiel für das, was auf das politische Spitzenfeld drängt und das Zeug zum ernstzunehmenden politischen Gegner haben könnte, ist das jüngste Mitglied der Linken-Fraktion im Niedersächsischen Landtag. Der 26-jährige Deutsch-Italiener Victor Perli hat bereits eine beeindruckende politische Sozialisation hinter sich und bringt damit zusätzlich zum anregenden Elternhaus, zu Abitur und Studium (Sozialwissenschaften und Neuere Geschichte) vieles mit, was ihn für den Weg nach oben prädestiniert: Bereits als Schüler organisierte er Demonstrationen für bessere Bildung, gegen die Kriege im Kosovo, in Afghanistan und im Irak sowie nach einem Brandanschlag auf die Wolfenbütteler Moschee. Mit bekannten Künstlern und Musikgruppen initiierte er eine Kampagne „Aufmucken gegen Rechts“, bei der vor drei Jahren kostenlos 50 000 CDs an Schüler verteilt wurden.
Seit dem Jahr 2000 engagiert sich Perli im Jugendverband der Partei, war Bundessprecher der alten und neuen Linksjugend und hat für die Wolfsburger Bundestagsabgeordnete Dorothée Menzner und die Europaabgeordnete Sahra Wagenknecht gearbeitet. Er ist u.a. Mitglied der GEW, des sozialistisch-demokratischen Studierendenverbandes und von „Venezuela Avanza“, einem Förderkreis zur Unterstützung der dortigen, zuweilen militanten Linksbewegung.
Mit diesem Netzwerk im Kreuz braucht Perli eigentlich nur seinen Oppositionsjob im Landtag als Sprecher für Kultur, Wissenschaft, Forschung und Jugend auszubauen und abzuwarten, bis sich Alt-Linke wie Parteichef Dehm und Fraktionschef Sohn endgültig ins Aus agitiert haben. Gegenüber seinen Fraktionskollegen im Landtag, die mehrheitlich eher derbaggressive Inszenierungen bevorzugen, nehmen sich Perlis Auftritte im Parlament fast dezent aus – sieht man von seiner Aktion im Frühjahr ab, als er ein T-Shirt mit dem Konterfei von Bundesinnenminister Schäuble und der Unterschrift „Stasi 2.0“ entblößte. Selbstverständlich nutzt der junge Abgeordnete einen Weblog und singt dort das hohe Lied auf die „vielen kleinen Medienmacher“, die die „digitale Revolution“ vorantreiben. Seine Vorbilder sind Nelson Mandela und Rosa Luxemburg; er kämpft für eine „bessere Welt“. So viel Gutmenschentum ist zwar kaum auszuhalten, dürfte aber für viele junge Wähler interessante Schnittmengen bieten. Zusätzlich sieht der linke Musterschüler noch aus wie der nette Junge von nebenan. Warm anziehen! (bri)








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