Berichte über unzureichenden Strahlenschutz in der Asse ernst nehmen

Hannover. Die Linksfraktion im Landtag hat kritisiert, dass die Berichte über den unzureichenden Strahlenschutz im Atommülllager Asse nicht ernst genommen werden. Kurt Herzog, umweltpolitischer Sprecher der Fraktion, forderte die Staatsanwaltschaft und die Landesregierung auf, den neuerlichen Hinweisen eines früheren Asse-Mitarbeiters nachzugehen, der seine Leukämieerkrankung auf den unzulänglichen Strahlenschutz in dem Endlager zurückführt. “Menschen, die als Folge ihrer Beschäftigung in der Asse erkrankt sind, müssen in langwierigen Klageverfahren um ihr Recht kämpfen – das darf nicht sein”, sagte Herzog.

Die eingehende Prüfung der Asse-Akten habe ergeben, dass es im Jahr 1973 bei der Einlagerung von 12.231 Behältern 53 Kontaminations-Zwischenfälle im Bergwerk und an den Arbeitsgeräten gegeben habe. “Insgesamt 250 Quadratmeter mussten dekontaminiert werden, dabei fielen 30 Kubikmeter belastete Abfälle an, die in den Tiefenaufschluss der Asse verbracht wurden”, erklärte Herzog Probleme habe es auch mit der Gruben-Abluft gegeben: Die Belastung mit radioaktivem Radon habe zeitweise über den gültigen Grenzwerten gelegen; Tritium und Cäsium seien über lange Zeit in höheren Konzentrationen angefallen.

Herzog erinnerte daran, dass bei den Atommüll-Anlieferungen in den 70er Jahren auch Mitarbeiter der Bahn offensichtlich erheblich radioaktiv belastet worden seien. Ein ehemaliger Leiter des Rangierbetriebes in Braunschweig, der zuständig für die Asse-Transporte gewesen ist, hatte jüngst auf Anfrage der Linken über entsprechende Vorfälle berichtet. Der Mann hatte eigenhändig Messungen mit einem Dosimeter vorgenommen; ein Experte habe ihm anschließend bescheinigt, dass die zulässigen Grenzwerte für radioaktive Strahlungen überschritten worden seien. Herzog kritisierte, dass diese Vorfälle keine Auswirkungen auf den Arbeitsschutz gehabt hätten. “Das ist ein Skandal und muss von der Staatsanwaltschaft untersucht werden.”

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