“Die Krise ist auch eine Chance”
In den letzten Tagen bin ich endlich wieder dazu gekommen, mich mit theoretischen Analysen zu befassen und vor allem solchen, die sich mit den Auswirkungen der aktuellen Strukturkrise des Kapitalismus beschäftigen. In diesem Zusammenhang habe ich ein interessantes Interview in der Tageszeitung Junge Welt gelesen, auf dass ich an dieser Stelle hinweisen möchte. Darin wird der promovierte Politikwissenschaftler Mario Candeias zum Charakter und den Konsequenzen der Krise befragt.
Nicht nur er hat den Eindruck, dass der bevorstehende tiefgreifende Epochenwandel in Deutschland noch nicht realisiert worden ist.
Auszug:
Wie angemessen ist die deutsche Politik in dieser Situation?
Gar nicht. Der Ökonomie-Nobelpreisträger Paul Krugman hat recht: »In Deutschland begreift man das ungeheure Ausmaß der Krise immer noch nicht.« Merkel und Steinbrück erweisen sich als »gewaltiges Hindernis« für ein »gemeinsames Handeln« der EU gegen die Krise. Mit koordinierten Konjunkturprogrammen scheint Steinbrück »ein echtes Problem zu haben«. Die Regierung versucht, mit dem Allernötigsten, nur leichten Anpassungen und Regulierungen durch die Krise zu kommen, den Neoliberalismus zu relegitimieren und weitergehende Maßnahmen zu blockieren. Sie wartet, daß die Konjunkturprogramme der Amerikaner, Chinesen und anderer greifen und der Export wieder in Gang kommt – ein geradezu provinzieller Chauvinismus. Aber die USA fallen auf lange Frist als »globaler Konsument« aus. Ihr Modell hoher Konsumraten, auf Pump finanziert durch massive Kapitalimporte aus aller Welt, ist vorüber. Auch die Deutschen müssen sich wie die Chinesen auf die Suche nach einem neuen Entwicklungsmodell machen: die einseitige Orientierung auf Exportwachstum bei Vernachlässigung der Binnennachfrage und auf Kosten internationaler Ungleichgewichte wird in Zukunft nicht mehr in der bekannten Weise funktionieren.





