Landtagsrede: Für mehr Lehrer mit Migrationshintergrund
Anrede,
wenn zu Recht beklagt wird, dass es zu wenig Lehrerinnen und Lehrer mit Migrationshintergrund gibt, kommt man nicht umher grundsätzlicher nach den Ursachen zu fragen. Denn selbstverständlich ist es nicht erfolgsversprechend, einfach Studienbewerberinnen und –bewerber aus anderen Fachbereichen abzuwerben.
Warum hat selbst die zweite und dritte Generation eingewanderter Familien im deutschen Bildungswesen weniger Chancen? Warum besucht nicht einmal jeder fünfte ausländische Schüler ein Gymnasium und warum haben lediglich 2,1 Prozent aller Abiturienten einen Migrationshintergrund?
In einer kapitalistischen Gesellschaftsordnung sind Bildungs- und Teilhabechancen von Grund auf ungerecht verteilt. Und weil das so ist, reden Sie in Ihren bildungspolitischen Sonntagsreden davon, dass Bildung der Schlüssel zum Aufstieg sei. Da wo Aufstieg nötig ist, gibt es aber auch Abstieg und beides setzt voraus, dass es in der Gesellschaft weiterhin ein „oben“ und „unten“ gibt und kein gleichberechtigtes Mit- und Nebeneinander.
Stattdessen verstärkt das viergliedrige Schulsystem die gesellschaftlichen Selektionsmechanismen noch und sortiert bereits Kinder im Alter von zehn Jahren vor allem entsprechend ihrer sozialen Herkunft. Kinder aus nicht-deutschen Familien sind dadurch zusätzlichen Hürden ausgesetzt.
Wissenschaftliche Studien haben nachgewiesen, dass selbst bei gleicher Schulleistung Kinder aus sozial schwächeren Schichten oder mit einem Migrationshintergrund seltener eine Gymnasialempfehlung von den Lehrerinnen und Lehrer bekommen als besser gestellte deutsche Kinder.
Dies kann auch mit dem kulturellen Hintergrund der Lehrer zu tun haben; weswegen besonders mehr Grundschullehrerinnen und Grundschullehrer mit Migrationshintergrund wichtig sind. Das Ergebnis all dessen ist, dass zu wenige von diesen Kindern das Abitur machen, dass zu wenige das kostenpflichtige Studium beginnen und dass es in der Konsequenz auch zu wenige Pädagogen mit Migrationshintergrund gibt.
Der SPD-Antrag konzentriert sich auf diesen letzten Aspekt und schlägt einige Maßnahmen vor, die im Kern unkonkret bleiben und alles andere als eine echte Lösung darstellen. Werbemaßnahmen, Studienstipendien und eine Studienplatzreservierung oder -förderung für Migranten können nur bedingt Erfolg haben, weil sie das Problem lediglich an der Oberfläche bekämpfen.
Dennoch sind die hier vorgeschlagenen Maßnahmen besser als gar nichts, und es ist zweifelsohne richtig und wichtig, dass es mehr nicht-deutschstämmige Lehrerinnen und Lehrer gibt.
Wir werden diesem Antrag auch deshalb zustimmen, weil diese Problematik in das politische Rampenlicht gehört!






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