Rede zur kulturellen Teilhabe von Kindern und Jugendlichen

Gehalten in der Debatte um den von CDU und FDP abgelehnten freien Eintritt für Kinder und Jugendliche in Landesmuseen.

Anrede,
der Zugang junger Menschen zu kulturellen Gütern ist von herausragender Bedeutung für die Förderung der kulturellen Bildung. Wenn das Interesse an Geschichte, Kunst und Kultur erst geweckt wurde, bestehen gute Chancen, dass Museen und Denkmäler, Literatur und Malerei, Bildende Künste, Musik, Theater und soziokulturelle Zentren auch später wert geschätzt und regelmäßig besucht bzw. konsumiert werden.

Museen atmen eine Atmosphäre des Geistes und des Interesses an der Welt und sind deswegen für die Besucherinnen und Besucher fast immer eine Bereicherung. Sie regen im besten Fall auch zur kritischen Auseinandersetzung mit dem Gegenstand an.

Die Politik muss sich in diesem Zusammenhang fragen: Weshalb nehmen Kinder und Jugendliche kulturelle Angebote immer noch unterdurchschnittlich in Anspruch? Was hält sie vom Besuch ab? Mit welchen Maßnahmen kann die kulturelle Teilhabe junger Menschen gesteigert werden?

Die Hildesheimer Kulturwissenschaftlerin Birgit Mangel z.B. hat wiederholt darauf hingewiesen, dass neben den finanziellen Barrieren und einem Mangel an Angeboten häufig auch soziale und psychische Barrieren Hinderungsgründe für die Kulturnutzung darstellen. Hierzu könne zum Beispiel ein fehlendes Vorverständnis zählen, die Sorge als Kulturnutzer in eigenen sozialen Kreisen als sonderbar zu gelten oder das Gefühl nicht dazu zu gehören.

Deshalb ist völlig klar, dass wir nach der Abschaffung der Eintrittsgebühren allein noch lange nicht das gesellschaftspolitische Ziel erreicht hätten, wo kulturelle Angebote von der Mehrheit der Menschen genutzt werden.

Die Anträge von SPD und Grünen wollen Maßnahmen auf den Weg bringen, um für Kinder und Jugendliche materielle und habituelle Hürden beim Zugang zu Museen abzuschaffen bzw. abzusenken.

Die Fraktion DIE LINKE begrüßt dies als Schritte in die richtige Richtung. Wir wollen die gesellschaftliche und kulturelle Teilhabe für alle Menschen ermöglichen. Deshalb sollten nicht nur Kinder und Jugendliche vom Eintritt in die Museen befreit werden.

Es bleibt Ausgrenzung, wenn eine 15-jährige zwar kostenlos ins Museum darf, ihre Eltern, die von Hartz 4 leben, oder ihre Großeltern, die nur eine kleine Rente bekommen, an dieser Stelle sparen und draußen bleiben müssen!

Gemäß den Hartz IV – Regelleistungen stehen Kindern bis 13 Jahren 4,57 Euro pro Monat für Sport- und Kulturveranstaltungen zur Verfügung, für Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren sind es 5,22 Euro und für einen Erwachsenen 6,53 Euro.

Diese Zahlen verdeutlichen nicht nur, dass es Zeit wird, dass Eintrittsgebühren nicht nur für Kinder und Jugendliche in vielen öffentlichen Kultureinrichtungen eine soziale Ausgrenzung darstellen. Dabei decken die Eintrittspreise trotz alledem nur einen kleinen Teil der Kosten ab!

Die Politik kann und muss sich schon deshalb in die Preisgestaltung einmischen, weil es sich um öffentliches Eigentum handelt. Die durch eine neue Regelung entstehenden Ausfälle werden in überschaubarem Rahmen bleiben, weil neue BesucherInnen angezogen werden. Die dennoch entstehenden Ausfälle können den Einrichtungen von Landesseite ausgeglichen werden.

Dass was CDU und FDP stattdessen hier beschließen wollen, ignoriert wie so oft die Entwicklung in anderen Bundesländern und im europäischen Ausland.

In Frankreich haben Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahr einen kostenlosen Eintritt in staatliche Museen und in England gilt das sogar für alle Bürgerinnen und Bürger. Recht so – denn was allen gehört soll allen zugänglich sein!

Liebe Kollegen von CDU und FDP,
sie haben mehrfach angeführt, dass die Anträge von SPD und Grünen zu kurz greifen. Weshalb gehen Sie dann nicht weiter? Wenn Sie ihre schwarz-gelben Scheuklappen schon nicht ablegen wollen, dann schauen Sie in dieser kulturpolitischen Frage doch einmal nach Sachsen. Dort heißt es im neuen Koalitionsvertrag zwischen vielen schlechteren Maßnahmen immerhin: „Wir setzen uns für einen freien Eintritt von Jugendlichen bis 16 Jahre in die staatlichen Museen ein.“

Die Schwellen beim Zugang zu Kultur müssen in schnellen Schritten gesenkt werden, besonders für Kinder und Jugendliche dürfen sie nicht finanzieller Art sein.

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