Reden: Künstlerförderung in Niedersachsen stärken und ausbauen

Herr Präsident! Meine Damen und Herren!

Nicht nur im bundesweiten Vergleich hat die Kulturförderung in Niedersachsen erheblichen Nachholbedarf. Trotzdem reduziert die schwarz-gelbe Landesregierung Kunst und Kultur auf ihre ökonomische Effizienz, worunter die Vielfalt und alternative Formen leiden. Dieser engstirnige kulturpolitische Ansatz hat jetzt die Stipendiatenförderung in Worpswede getroffen. Die Künstlerkolonie war und ist ein Ort der Inspiration und des interkulturellen und generationenübergreifenden Austauschs, der zahlreiche Künstlergenerationen geprägt hat. Frau Behrens hat das ausführlich dargestellt.

(Björn Thümler [CDU]: Na ja!)

Kulturminister Stratmann hat mit seinen Vorschlägen dem hervorragenden Ruf und dem internationalen Renommee von Worpswede einen herben Schaden zugefügt. Der massive Protest spricht Bände. Das, was der Kulturminister und die Regierungsfraktionen heute als guten Kompromiss für Worpswede verkaufen wollen, ist keiner.

(Beifall bei der LINKEN)

Mit der Verlagerung der Stipendiatenförderung an die Uni Lüneburg verliert die Gegenwartskunst in Worpswede an Bedeutung. Der Aufbau einer Sommerakademie und das Recht des Landes, bis zu 24 Belegmonate pro Jahr in Ateliers des Atelierhauses zu vergeben, sind kein adäquater Ausgleich. Im Masterplan geht es in erster Linie um die musealen Häuser und nicht um die Förderung der praktizierenden Kunst.

Meine Damen und Herren, es hätte überhaupt nichts dagegen gesprochen, zusätzlich zu der bestehenden Kulturförderung in Worpswede eine Stipendiatenförderung an der Leuphana in Lüneburg und an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig zu etablieren. Aber genau das machen Sie nicht. Die Landesregierung, die Regierungsfraktionen und die Grünen als Vertreter des großstädtischen Bildungsbürgertums behaupten unisono, dass in Worpswede ein umfassender zeitgenössischer Kunstdiskurs sowie eine intellektuell anregendes Umfeld fehlten.

Unabhängig davon, ob das stimmt oder nicht, wird es Ihnen im Gegenzug aber nicht gelingen – solche Ziele wurden im Ausschuss genannt -, die Hamburger, Berliner oder gar Istanbuler Kunstdiskurse auf Niedersachsen zu übertragen. Es ist unglaublich, dass Sie für den Versuch, andere zu kopieren, bereit sind, einen einzigartigen europäischen Leuchtturm der ländlichen Kultur zu schwächen. Der Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler führte hierzu aus:

„Wenn am grünen Tisch behauptet wird, man müsse Worpswede schließen, weil sich die Kunst ändere, so sagen die Künstler: ‚Das ist eine Binsenweisheit. Kunst ändert sich, seit es sie gibt!’ In Worpswede wurde seit 120 Jahren Kunst gemacht. Und auch dort hat sie sich immer geändert und weiter entwickelt. Das könnte getrost so bleiben, wenn man wollte.“

Dem ist nichts hinzuzufügen. Für DIE LINKE, meine Damen und Herren, ist Kultur und Kunst in Niedersachsen nicht nur die schmückende Petersilie auf den Tellern der Eventgourmets und -gourmands, sondern die treibende Hefe unserer Gesellschaft.

Vielen Dank.

(Beifall bei der LINKEN)

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