Früherer BfS-Präsident Kaul hatte bereits in den 90er Jahren Zweifel an der Asse – Kaul wird morgen im Untersuchungsausschuss angehört

Hannover. Der frühere Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz, Prof. Alexander Kaul, hatte bereits in den 90er Jahren Bedenken gegen das marode Atommülllager. Dies geht aus Vermerken und Briefen aus dem Jahr 1996 hervor, die der Linksfraktion vorliegen (siehe Anhang). Kaul, der morgen als Zeuge im Untersuchungsausschuss zur Asse angehört wird, beschrieb in einem Brief an das Bundesumweltministerium aus dem Jahr 1996 die Probleme mit den Laugenzuflüssen in die Asse. Diese Zuflüsse könnten laut Kaul „die Salzlinie als Endlagerwirtsgestein in Frage stellen […]. In diesem Falle wären das ERAM (Morsleben) nicht mehr zu halten und Gorleben gefährdet“. Der umweltpolitische Sprecher der Linksfraktion, Kurt Herzog, kritisierte, dass auch diese brisante Stellungnahme ignoriert worden sei. „Wir finden immer mehr Akten, die verdeutlichen, dass das Endlagermedium Salz gesundgebetet wurde“, sagte Herzog. Er warf CDU und FDP vor, die „Sackgasse“ Salz weiter zu verfolgen, um Gorleben durchzusetzen.

Kaul beschriebt außerdem, wie gefährdet die Bevölkerung im Falle eines Absaufens des Bergwerks wäre: Freigesetzte Nuklide im Trinkwasser könnten die Menschen belasten, die radioaktive Belastung die Grenzwerte der Strahlenschutzverordnung möglicherweise 100fach überschreiten. „Diese Gefahren wurden mehr als ein weiteres Jahrzehnt missachtet – das war und ist einfach fahrlässig“, sagte Herzog.

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