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“So ein bescheuertes Urteil”

Update: Bericht von Bodo Ramelow zur Gerichtsverhandlung auf seiner Webseite lesen. Klick

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat gestern entschieden, dass der Verdacht des Verdachtes für einen Verdacht auf “Anhaltspunkte für extremistische Bestrebungen” ein ausreichender Grund ist, um die rund 80.000 Mitglieder der Partei DIE LINKE unter Generalverdacht zu stellen. Sie alle dürfen – ohne das Vorliegen irgendeiner Verfehlung – vom Verfassungsschutz überwacht werden. Dieses Skandal-Urteil höhlt demokratische Rechte in unserem Land aus! Heribert Prantl spricht in der Süddeutschen Zeitung zu recht von einem Fehlurteil, das “nicht nur rechtswidrig, sondern dumm” ist.

Doch obwohl die Mehrheit der Bundesländer ihren Verfassungsschutz schon lange nicht mehr auf DIE LINKE ansetzt, hat sich die damit bis auf Weiteres die Haltung der letzten verbliebenen CDU-Innenminister durchgesetzt, die den Geheimdienst schon lange als verlängertes parteipolitisches Instrument missbrauchen. Der Fraktionsvorsitzende der LINKEN im Thüringer Landtag, Bodo Ramelow, wird jetzt vor dem Bundesverfassungsgericht klagen. Für diesen Schritt hat er die Unterstützung der gesamten Partei.

Es ist keine große Überraschung, dass entgegen des sonstigen medialen Gepflogenheiten die weit überwiegende Mehrheit der deutschen Tageszeitungen – auch solche die politisch dem konservativen Spektrum angehören – scharfe Kritik an diesem Urteil äußern. Einige Auszüge:

Neue Osnabrücker Zeitung:

“Der Verfassungsschutz ist dazu da, die Verfassung zu schützen – und zwar vor ernsthaften Bedrohungen. Dass Demokratie und freiheitliche Grundordnung kostbarste Güter sind, die es zu wahren gilt, haben uns die düsteren Erfahrungen gelehrt. Die Linkspartei als wirkliche Bedrohung für das System zu begreifen und sie deshalb vom Verfassungsschutz beobachten zu lassen wirkt aber eher wie die Überreaktion des hilflosen Staates denn wie eine zielführende Maßnahme gegen wahre Verfassungsfeinde.”

Süddeutsche Zeitung:

Die Linkspartei “kritisiert zwar den Kapitalismus. Aber der Kapitalismus gehört nicht zu den vom Grundgesetz geschützten Gütern. (…) Der Geheimdienst ist keine zentrale Kritik-, Registrier- und Beobachtungsstelle. Man kann sich ja über Oskar Lafontaine und Bodo Ramelow ärgern, man mag ihre Politik für unseriös, unausgegoren oder auch unsinnig halten. Aber politischer Ärger kann kein Anlass sein, den Leuten den Verfassungsschutz auf den Hals zu jagen. Wer die Linken auf diese Weise als Anti-Demokraten denunziert, muss sich nach seinem eigenen Demokratieverständnis fragen lassen. Wenn die Linke nach Meinung der anderen Parteien, Unsinn reden, geht das den Verfassungsschutz nichts an. Er hat eine klar umrissene Aufgabe: Er soll Gruppierungen beobachten, die auf einen Umsturz hinarbeiten. Er soll Gruppierungen observieren, die ihre Politik nicht mit demokratischen Mitteln, sondern irregulär und gewaltsam durchsetzen wollen. Nicht mehr, nicht weniger.“

Frankfurter Rundschau:

Die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts, “mit der es – anders als die Vorinstanzen – die Observierung des Thüringer Linksfraktionschefs Bodo Ramelow erlaubt, ist nicht nur falsch, sie ist miserabel. Sie beschädigt nicht nur Ramelow als Person, sie verwechselt auch den Boden der freiheitlichen demokratischen Grundordnung mit der politischen Bühne.”

Mannheimer Morgen:

“Doch der Linken insgesamt kann man nicht ernsthaft unterstellen, sie wolle die freiheitlich-demokratische Grundordnung beseitigen. Wer alle Mitglieder unter Generalverdacht stellt und bei Bedarf vom Verfassungsschutz beobachten lässt, macht sie nicht nur lächerlich. Er ermöglicht den Betroffenen auch, sich zum Opfer staatlicher Willkür zu stilisieren. Und schwächt selbst unser System: indem der Grundsatz der Meinungsfreiheit ausgehöhlt wird.“

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Hamburger Volksentscheid: Klassenkampf von oben besiegt fortschrittliche Bildungspolitik

Das Ergebnis des Hamburger Volksentscheids über die halbherzige, aber prinzipiell in die richtige Richtung weisende schwarz-grüne Schulreform (“längeres gemeinsames Lernen bis zur 6. Klasse”) ist eine große Enttäuschung für alle Vertreter einer fortschrittlichen Bildungspolitik. Einer gut situierten Lobby aus dem rückständigen Hamburger Bürgertum ist es gelungen mit einer Angst-Kampagne die Privilegien ihres Standes zu verteidigen. Der folgende Panorama-Beitrag dokumentiert diesen “Klassenkampf von oben” und die “Abgrenzung nach unten” anschaulich:

Das Blog “The Dishwasher – Magazin für studierende Arbeiterkinder” weist darauf hin, dass die Wahlbeteiligung am Volksentscheid die Armutsverteilung in Hamburg widerspiegelt (für mehr Infos bitte auf die Grafikkarte klicken):
Wahlbeteiligung spiegelt Armutsverteilung

Für die nächsten Auseinandersetzungen kristallisiert sich daher eine zentrale Frage heraus: Wie kann es besser gelingen SchülerInnen, Eltern und Großeltern, Lernende und Lehrende, die nicht aus privilegierten Schichten stammen, stärker für die eigenen Interessen zu mobilisieren, um damit Teilhabe- und Aufstiegschancen in dieser Gesellschaft zu sichern?
Und im nächsten Schritt: Wie erwächst aus einem mehr an Chancen auch das Recht zu einem “schönen Leben“?

“… es ist zu heiß!”

“… und die Revolution muss warten.”

BAföG eine der Säulen für eine soziale gerechte Bildungspolitik

Zur heute veröffentlichten Zahl der BAföG-Empfänger für das Jahr 2009 in Niedersachsen erklärte der hochschulpolitische Sprecher der Fraktion DIE LINKE, Victor Perli:

„Die gestiegene Zahl von BAföG-Berechtigten in Niedersachsen beweist einmal mehr, dass dieses Modell eine der wichtigsten Säulen für eine sozial gerechte Bildungspolitik ist: Das BAföG stellt für viele Studierende ohne reiche Eltern während des Studiums die Existenzgrundlage dar. Allerdings wächst die Zahl der BAföG-Empfänger, die aufgrund der jahrelangen Nullrunden und wegen der Studiengebühren gezwungen sind, zusätzlich einem Nebenjob nachzugehen. Deshalb ist es ein bildungspolitisches Desaster, dass die Landesregierung im Bundesrat die dringend notwendige BAföG-Erhöhung abgelehnt hat. Anstatt ein Stipendienprogramm einzuführen, das vor allem Studierenden aus reichem Elternhaus zugute kommt, zeigen die aktuellen Zahlen, dass mit diesen Mitteln eine deutlichere Erhöhung des BAföG finanziert werden sollte. In der Theorie tritt die Landesregierung gern für gerechtere Bildungschancen ein, aber in der Praxis werden diese Chancen dem Spardiktat oder der Elitenförderung geopfert.“

DIE LINKE fordert: Umgang mit geringen Mengen Cannabis nach Berliner Vorbild liberalisieren!

Hannover. DIE LINKE im Landtag hat die Landesregierung aufgefordert, ihre landespolitischen Spielräume zu nutzen, um den Umgang mit Cannabis nach Berliner Vorbild zu liberalisieren. Dort hat der Senat jüngst die bundesweit liberalste Regelung bestätigt, wonach Ermittlungsverfahren bei einem Besitz von bis zu zehn Gramm Haschisch oder Marihuana eingestellt werden sollen und bei bis zu 15 Gramm eingestellt werden können. „In Niedersachsen existiert lediglich eine Kann-Regelung, und die gilt nur bei einem Besitz bis zu sechs Gramm. Dadurch werden viele Gelegenheitskonsumenten zu Kriminellen gemacht“, sagte der LINKEN-Abgeordnete Victor Perli. [Weiterlesen →]

Landesregierung missachtet Hochschulgesetz – Wo bleibt die überfällige Studiengebühren-Evaluation?

Hannover. DIE LINKE im Landtag hat Wissenschaftsministerin Johanna Wanka aufgefordert, dem Landtag endlich die Evaluation über die Auswirkungen der Studiengebühren in Niedersachsen vorzulegen. Laut Hochschulgesetz hätte die Landesregierung dies bis zum 30. Juni tun müssen. Victor Perli, der hochschulpolitische Sprecher der LINKEN im Landtag, erklärte dazu: „Die Landesregierung verschleppt die Vorlage. Damit verstößt sie gegen das Landeshochschulgesetz. Der Wissenschaftsministerin sind die negativen Auswirkungen der Studiengebühren anscheinend nicht so wichtig oder sie hat etwas zu verbergen“. [Weiterlesen →]

DIE LINKE kritisiert die BAföG-Blockade der Landesregierung – Perli: „Das ‚nationale Stipendienprogramm‘ ist reine Eliten-Förderung“

Hannover. DIE LINKE im Landtag hat die Entscheidung der Landesregierung kritisiert, der BAföG-Erhöhung heute im Bundesrat nicht zuzustimmen und stattdessen den Vermittlungsausschuss anzurufen. Dort wollen die Länder über einen Ausgleich für ihren Anteil an den BAföG-Kosten verhandeln. Der hochschulpolitische Sprecher der Linksfraktion, Victor Perli, sagte: „Es steht zu befürchten, dass die BAföG-Erhöhung damit auf unbestimmte Zeit verschoben ist – bildungspolitisch wäre das ein Desaster.“ Ein höheres BAföG sei unerlässlich, um ärmeren Schulabsolventen ein Studium zu ermöglichen, so Perli; es sei damit eine der wichtigsten Säulen für eine sozial gerechte Bildungspolitik. „In der Theorie tritt die Landesregierung gern für gerechtere Bildungschancen ein“, kritisierte der Abgeordnete, „in der Praxis werden diese Chancen dem Spardiktat geopfert.“ [Weiterlesen →]

Nachlese zur Bundesversammlung

Christian Wulff ist im dritten Wahlgang von der Bundesversammlung mit absoluter Mehrheit ohne eine Stimme der Linken zum Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland gewählt worden. SPD und Grüne werfen der Linken vor, an ihren fehlenden Stimmen sei die Wahl von Joachim Gauck gescheitert. Diese Vorwürfe sind haltlos und entbehren jeder Grundlage.

Herr Gauck hat bei seinem Gespräch mit den LINKEN-Delegierten in der Bundesversammlung ausgeführt, dass ihm die Ausmaße unses Sozialstaats Angst machen, weil er Empfänger von Transferleistung “jahrelang alimentiert und abhängig macht”. Auf die Frage, ob er es in der Konsequenz befürworten würde die HartzIV-Regeln zu verschärfen oder die Sätze zu halbieren, hat er nur ausweichend geantwortet. In der selben Sitzung hat Herr Gauck die Afghanistan-Position der LINKEN scharf kritisiert. Er hat ferner gesagt, dass die Partei “überflüssig” sei und er auch in seinem Amt als Bundespräsident vor “rot-rot-grünen Koalitionen warnen” würde.

Gregor Gysi hat die Argumente der LINKEN zum Wahlverhalten in der Bundesversammlung konzentriert zusammengefasst: [Weiterlesen →]