Rede: Situation und Perspektiven der Museen in Niedersachsen

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren!

Es freut meine Fraktion sehr, dass wir uns hier und heute mit der Situation der Museen in Niedersachsen befassen. Ich danke der fragestellenden Fraktion für diese Initiative. Ich danke auch dem Museumsverband und dem MWK für die Beantwortung der Anfrage und die damit verbundene Umfrage bei einem Großteil der Museen sowie für die Zusammenstellung des Datenmaterials. Ich denke, dass eine vertiefende Befassung mit diesem Thema im Kulturausschuss Sinn macht, und würde das sehr begrüßen.

Der Museumsverband verzeichnet in Niedersachsen derzeit 665 Museen. Sie sind in ihrer Vielfalt und in ihren unterschiedlichen historischen und thematischen Schwerpunkten Archive, Lern- und Erlebnisorte sowie Forschungsstätten zur Menschheitsgeschichte.

Es ist bereits ausgeführt worden, dass der Begriff des Museums nicht geschützt ist und sich dahinter zunächst viel verbergen kann. Das sollte jedoch nicht dazu führen, dass die Bedeutung kleiner Museen mit einer eher regionalen Ausstrahlung unterschätzt wird. Viele kleine Museen tragen dazu bei, die mannigfaltigen Spuren der oft wechselvollen Orts- und Regionalgeschichte der lokalen Öffentlichkeit zu präsentieren und dieses Wissen damit an die nachwachsenden Generationen weiterzugeben. Sie tragen auch zur Identitätsstiftung von Gemeinden, Städten und Regionen bei.

Ebenfalls ist Fakt, dass in Niedersachsen zahlreiche Leuchttürme der deutschen und europäischen Kulturlandschaft existieren. Den in all diesen Museen Beschäftigten und ehrenamtlich Tätigen gilt nicht nur am heutigen Tage der Dank dieses Hauses.

(Zustimmung bei der LINKEN und von Dr. Gabriele Andretta [SPD])

Meine Damen und Herren, kommen wir zur Museumspolitik der Landesregierung.

Für die noch junge Amtszeit von Frau Wanka gilt, abgesehen von einer Personalentscheidung: Tätigkeiten – Fehlanzeige. Im Vergleich zu 2008 – wir erinnern uns an die aufgeregte Debatte zur Neustrukturierung der Museumslandschaft – ist das immerhin ein Fortschritt. Heute räumt auch die Landesregierung ein, dass sie sich damals auf eine völlig falsche Fährte begeben hat, wie wir der Antwort zu Frage 34 entnehmen können.

Aus Sicht der Linken sind die wichtigsten Herausforderungen, vor denen alle Museen heute stehen, folgende: erstens die Sicherung eines möglichst vielfältigen Angebots in allen Regionen des Landes und damit auch die Sicherung von Standorten und Beschäftigung,

(Zustimmung bei der LINKEN)

zweitens die Steigerung von Attraktivität und Bekanntheit und drittens die Öffnung für Bevölkerungsgruppen, die bisher Museen weit unterdurchschnittlich besuchen.

(Zustimmung bei der LINKEN)

Für diese Herausforderung ist es natürlich unabdingbar, dass die Ausstellungen in technischer wie in museumspädagogischer Hinsicht regelmäßig aktualisiert werden. Die Große Anfrage zeigt hier sehr deutlich, dass in vielen Häusern ein Bedarf für Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen besteht. Hier braucht es einen Zeit- und Fahrplan, damit sich die Museen schrittweise verbessern können.

Die Linke sieht zur Steigerung der Attraktivität der Museen und zur Öffnung der Museen für die sogenannten kulturfernen Schichten Handlungsbedarf bei der Museumspädagogik. Hier muss auch über den Ausbau der Hauptamtlichkeit gesprochen werden.

(Zustimmung bei der LINKEN)

Das Kulturpublikum ist heute noch immer vor allem ein Abiturpublikum. Die Kulturwissenschaft weist zu Recht darauf hin, dass die Ursachen dafür vielschichtig sind. Sowohl habituelle als auch soziale als auch finanzielle Gründe spielen hier eine Rolle. Die Politik kann aber mehr leisten, als nur Sonntagsreden zu halten. Deshalb ist für die Linke beim Thema eines freien Eintritts für Landesmuseen das letzte Wort noch nicht gesprochen.

(Beifall bei der LINKEN)

Dieser Schritt ist keine Patentlösung, aber zweifelsohne ein Schritt in die richtige Richtung. Wenn man mit dem Einlasspersonal in den Museen über die Resonanz an Tagen mit freiem Eintritt spricht, hört man unisono, genau diese seien die besucherstärksten Tage und genau diese Tage sähen Familien als Anreiz für einen Museumsbesuch.

Meine Damen und Herren, die Linke hält es für ein bedeutsames gesellschaftspolitisches Ziel, dass die vorhandenen kulturellen Angebote von der Mehrheit der Bevölkerung in Anspruch genommen werden. Kultureller Reichtum ist Lust statt Last und darf unter dem Druck unterfinanzierter Haushalte nicht infrage gestellt werden.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

(Beifall bei der LINKEN)

Pinnwand - Schreib Deine Meinung