Presseecho: Hannover diskutiert über kleineres Zentralgebäude – Uni: Verfahren lässt abgespeckte Version nicht zu

aus der Lüneburger “Landeszeitung” vom 21.10.2010:

Schrumpft der Libeskind-Bau?

st/jj Lüneburg. Das Zentralgebäude der Leuphana soll schrumpfen, die Universität soll ihre Pläne auf ein zweckmäßiges Maß eindampfen. Dieser Vorschlag macht jetzt in Hannover die Runde. Die Uni-Leitung bremst das Ansinnen aus: Schon aus Verfahrensgründen sei ein abgespeckter Libeskind-Bau unmöglich.

Doch Victor Perli, hochschulpolitischer Sprecher der Linken im Landtag, fordert: “Es ist höchste Zeit, dass die Landesregierung die Realität anerkennt und ihr Finanzierungsabenteuer beendet. Wir fordern eine Überarbeitung der überdimensionierten Pläne und einen Verzicht auf die Teilprivatisierung des geplanten Zentralgebäudes.”

Auch der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Uni sieht nach dem gescheiterten Verkauf von Volgershall (LZ berichtete) Bedarf für den Rotstift: “Die Universität wäre gut beraten, das Finanzierungsdesaster als Warnung aufzufassen und endlich die Planungen an den tatsächlichen Bedarf der Bildungseinrichtung anzupassen. Insbesondere müssen die Zusammenarbeit mit einem privaten Investor gestoppt und die Planungen für ein Hotel auf dem Campus beerdigt werden.”

Das Besondere: Nicht nur Landtags-Opposition und Studentenvertreter fordern das Schrumpfen der Pläne, auch aus Regierungskreisen sickert dieser Wunsch durch. So berichtet die Hannoversche Allgemeine Zeitung, im Kabinett sei diskutiert worden, “ob man das Zentralgebäude der Uni nicht kleiner und zweckmäßiger bauen könne, auch um den Preis, mögliche EU-Zuschüsse in diesem Projekt nicht einzusetzen”.

Uni-Vizepräsident Holm Keller staunt über diese Gerüchte: “An uns ist dieser Wunsch bislang nicht herangetragen worden.” Und laut Keller hätte das Ansinnen aus drei Gründen keine Aussicht auf Umsetzung: “Das Gebäude basiert auf einem Raumbedarf, den das Ministerium festgestellt und erlassen hat.” Zweitens müsste die Uni laut Keller dann das langwierige Vergabeverfahren neu aufrollen: “Weil wir natürlich mit auf diesen Raumprogrammen basierenden Planungen in die europaweite Ausschreibung gegangen sind, ist das so nicht ohne Weiteres zulässig.” Und drittens ist das Geld da, sagt Keller: “Uns stehen ausreichend Mittel zur Verfügung.”

Das will sich Wissenschaftsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka nachweisen lassen. Gegenüber NDR 1 stellte sie zwar klar: “Der Stift ist gezückt, die EU-Gelder werden verbaut.” Aber nach einem Jahr Verhandlungen sei es Zeit, ein Ergebnis zu präsentieren. Sie will Zeitdruck ausüben. Denn schon im April solle ja mit dem Bau begonnen werden.

Wankas Kabinettskollege, Kultusminister Dr. Bernd Althusmann aus Lüneburg, suchte gestern das Gespräch mit der Uni-Spitze: “Ich habe den Eindruck gewonnen, dass das Präsidium sich alle Mühe gibt, das finanzielle Konzept umzusetzen. Es gibt sicher noch an der einen oder anderen Stelle Fragezeichen, die müssen nun ausgeräumt werden. Aber sowohl das Profil der Uni, als auch der Innovations-Inkubator und der Libeskind-Bau sind zukunftsweisend.” Doch auch Althusmann bringt das Schrumpfen ins Gespräch: “Aus meiner Sicht – sollte es eine Finanzierungslücke geben – müsste auch ein etwas kleinerer Zentralbau möglich sein.” Er sieht aber auch die rechtlichen Probleme: “Das müssen die Experten klären. Dass jetzt sowohl Fachleute aus dem Wissenschafts-, dem Wirtschafts- und dem Finanzministerium die Uni-Pläne prüfen, zeigt, wie wichtig das Projekt auch für das Land ist. Ein Projekt, das muss klar sein, bei dem wir alle Verantwortung tragen und alle in einem Boot sitzen.”

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