Rede: Münzkabinett des Landesmuseums

Einzige (abschließende) Beratung: Die Bedeutung der Geldgeschichte in Niedersachsen entwickeln und stärken: Münzkabinett des Landesmuseums muss mit anderen Sammlungen und Institutionen vernetzt und aufgewertet werden - Antrag der Fraktion der SPD – Drs. 16/2501 – Beschlussempfehlung des Ausschusses für Wissenschaft und Kultur – Drs. 16/3109

Vizepräsidentin Astrid Vockert:

Nun erhält für die Fraktion DIE LINKE Herr Perli das Wort.

(Beifall bei der LINKEN)

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Liebe ZuhörerInnen und ZuschauerInnen im World Wide Web und an den heimischen PC-Geräten! Vor ziemlich genau einem Jahr kaufte das Land der Deutschen Bank aus Konjunkturmitteln eine bedeutende Münzsammlung ab.

(Zustimmung bei der CDU)

Der historische Münzschatz der Welfen umfasst 43 000 Münzen, Plaketten, Orden und Medaillen aus der Zeit vom Mittelalter bis zur Neuzeit. Etwa 170 Sammlungsgegenstände werden seit dem 3. September 2010 im Niedersächsischen Landesmuseum Hannover gezeigt. Ich kann Ihnen sehr empfehlen, sich das dort einmal anzuschauen.

(Christian Dürr [FDP]: Sehr gut!)

Nun liegen zwei Anträge vor, wie es mit dem erworbenen Münzkabinett weitergehen soll.

Der Antrag der SPD-Fraktion ist ambitioniert und weist in die richtige Richtung. Diesen Antrag wird meine Fraktion unterstützen. Es geht dabei, wie von Frau Behrens bereits dargestellt worden ist, um die Weiterentwicklung der bestehenden Münz-sammlungen in Niedersachsen und um die Frage, wie wir die Geldgeschichte attraktiv darstellen kön-nen.

(Zuruf)

Im Übrigen ist die Geldgeschichte auch keine Frage ausschließlich des Kapitalismus, Herr Oesterhelweg. Wenn Sie sich ein bisschen mit Geschichte beschäftigen würden, wüssten Sie, dass es Münzen schon sehr viel länger gibt.

(Beifall bei der LINKEN – Frank Oesterhelweg [CDU]: Ich habe überhaupt nichts gesagt, Herr Kollege! – Weitere Zurufe von der CDU)

- Nun regen Sie sich einmal ab. Es ist bald Weihnachten.

Der zweite Antrag kommt von CDU und FDP. Dieser Antrag beschränkt sich aber im Wesentlichen auf einen einzigen Aspekt, nämlich den Aufbau eines virtuellen Münzmuseums. Ein solcher Antrag ist aus dreierlei Gründen Murks:

Erstens gibt es schon Planungen und Skizzen für ein solches Projekt. Die von CDU und FDP jetzt erbetenen Konkretisierungen für dieses Projekt sind so allgemein gehalten, dass sie überhaupt nichts voranbringen. Der Antrag ist daher überflüssig.

(Beifall bei der LINKEN und bei den GRÜNEN – Editha Lorberg [CDU]: Wir verlassen uns da auf die Fachleute!)

Zweitens wird im Antrag nur von einem virtuellen Münzkabinett Niedersachsens gesprochen. Meine Damen und Herren, bei einem virtuellen Museum muss man auf die Grenzen Niedersachsens überhaupt keine Rücksicht nehmen, sondern könnte eine viel weitere Vernetzung anstreben und eine beispielsweise europaweite Sammlung von virtuell dargestellten Münzen auch perspektivisch ins Auge fassen und als Ziel zusammen erörtern. Das machen Sie aber nicht. Ihr Antrag greift an diesem Punkt viel zu kurz.

Drittens ist ein virtuelles Münzmuseum als einzige Weiterentwicklung der Münzsammlung in Niedersachsen viel zu wenig. Das Besondere an einem Museum sind das Original, die Greifbarkeit der Geschichte, die unmittelbare Bekanntschaft mit dem Sachgegenstand und das pädagogische Angebot, das in den Museen gefördert werden könnte. Der heimische Bildschirm und ein virtuelles Münzkabinett können genau das nicht leisten. Der Antrag setzt daher den falschen Schwerpunkt.

(Beifall bei der LINKEN)

Ich denke, wir sind uns zumindest einig, dass wir hervorragende Münzsammlungen in Niedersachsen haben und dass wir sie auch viel besser darstellen könnten. Es wäre schön, wenn wir in den nächsten Jahren dazu kämen, aus dem, was wir hier haben, mehr zu machen, als Sie es wollen. Es geht darum, nicht nur schöne Bilder an PCs anzuschauen, sondern auch in schönen Museen schöne Ausstellungen zu präsentieren.

Vielen Dank.

(Beifall bei der LINKEN und Zustimmung bei der SPD und bei den GRÜNEN)

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