Zu wenige Plätze und mehr als 100 Millionen Euro Sanierungsstau – Studentenwohnheime nicht fit für den doppelten Abiturjahrgang
Hannover. DIE LINKE im Landtag hat der Landesregierung vorgeworfen, sich nicht um die niedersächsischen Studentenwohnheime zu kümmern. „Wir haben ein Riesenproblem bei den Wohnheimen: Es gibt einen Sanierungsstau, und es fehlen Plätze“, sagte Victor Perli, der hochschulpolitische Sprecher der Fraktion. Perli hatte eine parlamentarische Anfrage zu diesem Thema gestellt, die Antwort der Landesregierung liegt jetzt vor. Nach Einschätzung des Hochschulexperten fehlen in Hannover, Braunschweig und Göttingen insgesamt mehr als 100 Millionen Euro für dringend notwendige Sanierungen; nur ein Sechstel des Investitionsbedarfs könne derzeit finanziert werden. Die Landesregierung habe den Studentenwerken im Jahr 2008 marode Gebäude übergeben und verweigere nun Sanierungshilfen.
„Jetzt erklärt sie den Studentenwerken, dass es ihre Angelegenheit sei und sie ja Kredite aufnehmen könnten“. Die Studentenwerke seien dadurch gezwungen, die Kredite auf die Wohnheimmieter umzulegen. „Am Ende bezahlen die Studierenden, was eigentlich öffentliche Aufgabe ist“, betonte Perli. Die schwarz-gelbe Regierung ziehe sich systematisch aus der Finanzierung der Studentenwerke zurück: Seit ihrem Regierungsantritt seien die Landeszu¬schüsse um fünf Prozent gesunken und die Kosten für die Studierenden um 40 Prozent angestiegen. „Die Angebote der Studentenwerke werden vorwiegend von den ärmeren Studierenden genutzt; sie zahlen für die Politik von CDU und FDP“, so Perli.
Der doppelte Abiturjahrgang werde dazu führen, dass tausende Studierende zum Start des Wintersemesters kein Zimmer bekommen. Schon jetzt müssten beispielsweise Studenten in Göttingen mit durchschnittlichen Wartezeiten von einem Jahr rechnen; mit Ausnahme von Braunschweig seien alle Wohnheime ausgelastet. Wegen des doppelten Abiturjahrgangs rechnet die Landesregierung mit zusätzlichen 11.300 Studienanfängern in 2011 und 2012; bleibt der Anteil der Studierenden, die in Wohnheimen leben, konstant bei 13 Prozent, fehlten allein dafür1.500 Plätze. „Die Behauptung der Landesregierung, das Angebot sei bedarfsgerecht, ist schlichtweg falsch“, sagte Perli. An fast allen Standorten hätten die Studentenwerke zusätzliche Plätze gefordert. Wenn die Studierquote gesteigert und die Hochschulen für ärmere Schichten geöffnet werden sollen, müssten die Kapazitäten der Wohnheime mit steigen. „Dafür hat die Landesregierung zu sorgen: Sie darf die Studentenwerke als soziale Säulen der Universitäten nicht am ausgestreckten Arm verhungern lassen, sondern muss die Zuschüsse dem Bedarf anpassen.“
Hier kann die Anfrage abgerufen werden (PDF)






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