Gesammelte Artikel der Rubrik 'Cannabis & andere Drogen'

Hanfverbot erzeugt Markt für gefährliche Designerdrogen

Hannover. Angesichts von Medienberichten, wonach die Hälfte aller Patienten im Landeskrankenhaus Brauel die Modedroge „Lava red“ genommen haben soll, hat DIE LINKE im Landtag das Hanfverbot für gescheitert erklärt. „Für legal erhältliche Designerdrogen gibt es nur einen Markt, weil das vergleichsweise wesentlich harmlosere Cannabis in Deutschland verboten ist“, sagte Victor Perli, der jugendpolitische Sprecher der Fraktion. Perli untermauerte seine Forderung nach einer Entkriminalisierung von Cannabis. „Das wäre auch im Sinne des Verbraucherschutzes, weil das Bundeskriminalamt und Suchtberatungsstellen immer wieder von lebensgefährlichen Intoxikationen als Folge des Konsums von legalen Cannabis-Ersatzdrogen berichten“, so Perli. Politik und Strafverfolgungsbehörden hätten den Kampf gegen diese Substanzen längst verloren, weil die Produzenten sich anpassten: Wird eine chemische Droge verboten, kreierten sie einfach eine neue. „Die Geschäftemacher sind die größten Profiteure des Cannabis-Verbots. Die Gesundheit der Konsumenten ist ihnen ohnehin egal“, sagte Perli. Die Politik dürfe nicht länger zusehen, wie junge Erwachsene zu Versuchskaninchen von profitgierigen Produzenten chemischer Drogen werden. [Weiterlesen →]

HAZ: Landesregierung für Cannabis auf Rezept

Mit meiner Kleinen Anfrage zum medizinischen Gebrauch von Cannabis (pdf) habe ich entweder eine Meinungsänderung der Landesregierung bewirkt oder sie hatte sich im April 2010 bei der Beantwortung der “Großen Anfrage zur Cannabispolitik in Niedersachsen” nicht sachgerecht mit dem Thema befasst und “aus Versehen” ablehnend geantwortet. Die Hannoversche Allgemeine Zeitung widmet der Meinungsänderung heute einen Artikel.

Hannover (doe). Patienten, die zum Beispiel unter multipler Sklerose leiden, können in Zukunft darauf hoffen, Symptome der Krankheit mit Cannabis behandeln zu dürfen. Die Landesregierung hat ihren Widerstand gegen die Verwendung der berauschenden Pflanze auf Rezept aufgegeben. Man unterstütze die Initiative von Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) zur Erweiterung des medizinischen Gebrauchs von Cannabis und werde der Änderung des Betäubungsmittelrechts im Bundesrat zustimmen, heißt es in einer Antwort der Landesregierung auf Anfrage der Linksfraktion. Im April hatte sie den Einsatz von Cannabis zu therapeutischen Zwecken noch abgelehnt. Zur Begründung schreibt die Landesregierung, damit werde für einen kleinen Kreis von Schwerstkranken die therapeutische Nutzung von Cannabis als Arzneimittel möglich. In Großbritannien gibt es bereits eine Zulassung für eine Arzneimittel mit Cannabisextrakt zur Therapie von Spastiken bei multipler Sklerose. Nachdem der Bundesrat zugestimmt hat, kann dieses Medikament auch in Deutschland angewendet werden. Handel und Besitz der Droge zu Rauschzwecken bleibe aber verboten, betont die Regierung.

Quelle: www.haz.de

Landesregierung darf Legalisierung von Cannabis-Medizin nicht blockieren – kein Showdown zwischen Özkan und Rösler auf Kosten der Patienten!

Hannover. DIE LINKE im Landtag hat die Landesregierung aufgefordert, die gestern vom Bundeskabinett beschlossene Legalisierung von Cannabis-Medizin im Bundesrat nicht zu blockieren. „Die Planungen der Bundesregierung sind zwar nur ein Schritt in die richtige Richtung, aber einen Showdown zwischen Niedersachsens Gesundheitsministerin Özkan und Bundesgesundheitsminister Rösler ist das Letzte, was die Patienten gebrauchen können”, sagte Victor Perli von der Linksfraktion. Anlass zu dieser Sorge bestehe, weil die Landesregierung es in einer Großen Anfrage der Linken zur Cannabis-Politik in Niedersachsen abgelehnt hatte, Initiativen für eine Erweiterung des medizinischen Gebrauchs von Cannabis zu unterstützen. Perli verwies auf Angaben der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin, wonach mindestens 50.000 an Krebs, Aids oder Multipler Sklerose erkrankte Patienten von natürlichem Cannabis als Medizin profitieren würden. Perli weiter: „Bislang werden sie wie Kriminelle behandelt, wenn sie Cannabis verwenden, obwohl es das einzig wirksame Medikament für sie ist.“

DIE LINKE fordert: Umgang mit geringen Mengen Cannabis nach Berliner Vorbild liberalisieren!

Hannover. DIE LINKE im Landtag hat die Landesregierung aufgefordert, ihre landespolitischen Spielräume zu nutzen, um den Umgang mit Cannabis nach Berliner Vorbild zu liberalisieren. Dort hat der Senat jüngst die bundesweit liberalste Regelung bestätigt, wonach Ermittlungsverfahren bei einem Besitz von bis zu zehn Gramm Haschisch oder Marihuana eingestellt werden sollen und bei bis zu 15 Gramm eingestellt werden können. „In Niedersachsen existiert lediglich eine Kann-Regelung, und die gilt nur bei einem Besitz bis zu sechs Gramm. Dadurch werden viele Gelegenheitskonsumenten zu Kriminellen gemacht“, sagte der LINKEN-Abgeordnete Victor Perli. [Weiterlesen →]

Rede in der Debatte zur Großen Anfrage zum Thema Cannabis

Herr Präsident! Meine Damen und Herren!

Es ist ein guter Brauch, der Beratung einer Großen Anfrage einen Dank voranzustellen. Ich bedanke mich deshalb bei den Mitgliedern der Linksjugend [’solid] Niedersachsen für die gemeinsame Erarbeitung und Auswertung dieser Anfrage. Ich bedanke mich ebenfalls bei den zuständigen Mitarbeitern der Landesverwaltung für die Beantwortung und das Zusammentragen der Statistiken, auch wenn nicht wenige Fragen unbeantwortet geblieben sind. Sie haben damit einen wichtigen Beitrag zur Belebung der Debatte um Cannabis geleistet.
(Beifall bei der LINKEN)

Cannabis ist die wissenschaftliche Bezeichnung für die Hanfpflanze, eine der ältesten und wichtigsten Kulturpflanzen der Welt, die auch als Faser und Heilgewächs Verwendung findet. Die Fraktion DIE LINKE möchte mit der Großen Anfrage die Debatte zum politischen und rechtlichen Umgang mit Haschisch und Marihuana, das aus der weiblichen Hanfpflanze gewonnen wird, neu beleben. Es geht hierbei nicht um eine Verherrlichung oder Verharmlosung von Cannabis. Der Konsum ist nicht harmlos. Ich betone das ausdrücklich. Ein Beleg für den Ernst unseres Ansinnens ist auch der Umfang des Fragenkatalogs.

Es ist notwendig, die gesundheits- und suchtpolitischen Maßnahmen gegen problematische Konsummuster bei allen Drogen zu intensivieren. Das gilt für Cannabis, Alkohol, Tabak und zahlreiche andere Rauschmittel.

(Beifall bei der LINKEN)

Ohne Zweifel ist es zu begrüßen, wenn Menschen den Konsum dieser Substanzen einstellen oder gar nicht erst damit anfangen. Die Verbreitung von Suchtmitteln so niedrig wie möglich zu halten, ist ein vernünftiges gesellschaftspolitisches Ziel.

Es ist aber realitätsfremd zu glauben, dass es jemals eine Welt völlig ohne Rauschmittel geben wird. Es hat Rauschmittel immer gegeben. Uns geht es nicht um Drogenverherrlichung, sondern um Aufklärung, Prävention, staatliche Aufsicht und Kontrolle, um ein Höchstmaß an Jugend- und Verbraucherschutz und darum, die Organisierte Kriminalität nachhaltig zu bekämpfen.

(Beifall bei der LINKEN und bei den GRÜNEN)

Die Frage, über die wir hier streiten, ist, ob ein Verbot zum Erreichen dieser Ziele sachdienlich ist. Auch wenn sich die Landesregierung windet, so unterstreicht ihre Antwort doch das, was sich in der Fachwelt längst als Mehrheitsmeinung durchgesetzt hat: Die Cannabisprohibition ist genauso gescheitert wie die Alkoholprohibition in den USA und in vielen anderen Ländern.

(Beifall bei der LINKEN)

Unzählige wissenschaftliche Studien belegen das. Ärzte, Kriminologen, Polizeipräsidenten, Polizeigewerkschafter, ehemalige Gesundheitsministerinnen und -minister und EU-Kommissare – sie alle fordern eine Kehrtwende in der Cannabispolitik. Der Economist widmete diesem Thema vor wenigen Monaten eine Titelstory. „Die Prohibition hat versagt – Legalisierung ist das kleinere Übel” lautete der Unterzeile des Artikels mit dem Titel „How to stop the drug wars”.

Schauen wir uns die Ergebnisse der Verbotspolitik in Niedersachsen und auch in Deutschland an. Jeder vierte Deutsche hat bereits Cannabis konsumiert. Bei den 15- bis 24-Jährigen sind es sogar 39 %. Damit sind wir auf Platz vier in Europa und rangieren übrigens weit vor den liberalen Niederlanden. Es gibt bundesweit, geschätzt, 3 Millionen Konsumenten pro Jahr. Die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht spricht in einer aktuellen Studie von Konsumraten – ich zitiere – auf historisch hohem Niveau trotz der jahrzehntelangen Verbotspolitik. Allein in Niedersachsen werden jährlich zwischen 500 und 1 300 kg mit einem Schwarzmarktwert von rund acht Millionen Euro beschlagnahmt. 130 000 Strafverfahren wurden im letzten Jahr bundesweit eingeleitet. Rund 78 % davon richteten sich gegen einfache Konsu-menten, die nichts mit Handel, mit Schmuggel oder mit Anbau zu tun hatten. In Niedersachsen standen vor zehn Jahren gut fünf von zehn Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz in einem Zusammenhang mit Cannabis. Heute sind es sieben von zehn. Im selben Zeitraum, also in den letzten zehn Jahren, sind in Niedersachsen über 155 000 Straftaten im Zusammenhang mit Cannabis registriert worden. Auch hier trifft es vor allem einfache Konsumenten. Die Tendenz steigt. Das betrifft übrigens vor allem Erwachsene. Bei Minderjährigen ist die Zahl zum Glück rückläufig. Die beliebte Behauptung, dass bei der Verfolgung von Cannabisdelikten vor allem die großen Fische im Visier des Staates seien, ist nachweislich falsch.

(Beifall bei der LINKEN und Zustimmung bei der SPD und bei den GRÜNEN)

Immense Personal- und Zeitressourcen bei Polizei und Justiz werden durch die Masse der Verfahren gebunden. Viele der arbeitenden Beamten sind frustriert, weil sie selbst bei kleinsten Mengen ein Verfahren einleiten müssen, das nach dem Bundesverfassungsgerichtsurteil von 1994 mit großer Wahrscheinlichkeit ohnehin eingestellt werden muss. Diese Politik verhindert, dass sich unzählige Polizisten und Staatsanwälte voll den echten Straftätern in diesem Lande widmen können.

(Beifall bei der LINKEN und Zustim-mung von Helge Limburg [GRÜNE])

Bereits 1992 empfahl eine vom Niedersächsischen Justizministerium eingesetzte Kommission zur Reform des Strafrechts, die von dem Kriminologen Peter-Alexis Albrecht geleitet wurde, die Entkriminalisierung von Cannabisprodukten. Passiert ist seitdem gar nichts. Warum eigentlich nicht?

Schauen wir uns die Argumente der Landesregierung an. Die Kernaussage lautet – ich zitiere -:

„Cannabis ist eine gefährliche Droge, die große gesundheitliche Gefahren birgt.”

Nun stellt sich die Frage, durch welche Fakten diese Aussage untermauert wird und wie auf dieser Basis eine Unterscheidung gegenüber anderen legalen und illegalen Drogen möglich wird. An Letzterem hapert es ganz gewaltig. Schauen wir uns die Zahl der Krankheits- und Todesfälle durch legale und illegale Drogen an. Das Statistische Bundesamt wies am 23. Juni 2009 darauf hin, dass wesentlich mehr Krankheits- und Todesfälle durch legale Drogen als durch illegale Drogen zu verzeichnen sind. Demnach wurden im Jahr 2007 knapp 532 000 Patienten infolge des Konsums von legalen Drogen wie Alkohol und Tabak behandelt, während es bei den illegalen Drogen rund 80 000 Patienten gewesen seien. An legalen Drogen sind 58 000 Menschen gestorben, an illegalen Drogen 1 375 Menschen. Dabei ist im Übrigen nicht eine Person am Konsum von Cannabis gestorben.

Bei den Suchtberatungsstellen in Niedersachsen sind 40 % aller Klienten wegen Alkoholmissbrauchs in Behandlung. Cannabis hat einen Anteil von 12 bis 13 %. Niemand kommt aufgrund all dieser Zahlen und vor allem des hoch problematischen Alkoholmissbrauchs bei jungen Menschen, bei Jugendlichen auf die Idee, Alkohol zu verbieten. Gleiches gilt für den Tabakkonsum, obwohl bekannt ist, dass Raucher im Schnitt 15 Jahre früher sterben als Nichtraucher. Doch Cannabis bleibt verboten, obwohl die bereits erwähnte Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht darauf hinweist, dass weniger als 10 % der Konsumenten überhaupt zu Risikokonsumenten werden. Selbst die Landesregierung gibt auf Seite 12 der Antwort auf die Große Anfrage zu – ich zitiere -:

„Die Intensität der Abhängigkeit wird als geringer als bei einer Reihe ande-rer Suchtmittel eingeschätzt.”

Ein weiteres beliebtes Argument ist, dass sich die Wirksamkeit der Cannabisprodukte in den letzten Jahrzehnten stark weiterentwickelt und dadurch die Gefahr zugenommen habe. Der Jahresbericht 2009 zum Stand der Drogenproblematik in Europa weist darauf hin, dass es für diese Behauptung keine Belege gibt. Ich zitiere:

„In den meisten der 16 europäischen Länder … blieb die durchschnittliche Stärke von Cannabisharz und Cannabiskraut im Zeitraum 2002 bis 2007 stabil oder ging zurück.”

Im Übrigen spricht auch das Argument der unterschiedlichen Stärke dafür, dass der Staat den kontrollierten Verkauf zulässt und dafür sorgt, dass es wie beim Alkohol Verbraucherhinweise über den Wirkungsgehalt gibt.

(Beifall bei der LINKEN)

Meine Damen und Herren, ein weiteres beliebtes Argument ist die Behauptung, dass eine Entkriminalisierung dazu führen würde, dass der Konsum im ganzen Lande drastisch ansteigen würde. Die Landesregierung behauptet sogar, dass ein Erfolg der Verbotspolitik die eingeschränkte Verfügbarkeit sei.

(Zustimmung von Ansgar-Bernhard Focke [CDU] – Glocke des Präsidenten)

Auch diese Behauptung lässt sich wissenschaftlich nicht belegen. In den Niederlanden, wo seit über 30 Jahren der Verkauf in den sogenannten Coffeeshops an Volljährige toleriert wird, konsumieren deutlich weniger Jugendliche und Erwachsene Cannabis als in Deutschland.

(Wolfgang Wulf [SPD]: Das ist erstaunlich!)

Laut europäischer Beobachtungsstelle haben in Deutschland 7,6 % aller 15- bis 24-Jährigen im letzten Monat Cannabis konsumiert, während es in Holland nur 5,3 % gewesen sind.

(Kreszentia Flauger [LINKE]: Der Reiz des Verbotenen!)

Die Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit des Schweizer Parlaments drückt dies wie folgt aus:
„Die verbreitete Vermutung einer ins Gewicht fallenden generalpräventiven Wirkung der Konsumstrafbarkeit kann nicht nachgewiesen werden und scheint auch wenig plausibel.”
Zwischen der Verbreitung/Häufigkeit des Drogenkonsums und der strafrechtlichen Verfolgungs- und Sanktionspraxis bestehe kein signifikanter Zusammenhang. Dafür gibt es jedoch Folgewirkungen des Verbotes, die nicht zu verantworten sind und denen wir uns stellen müssen.

(Glocke des Präsidenten)

Wenn der Staat keinen Einfluss nimmt, kommen gestreckte Substanzen in Umlauf. Vom großen Handel profitiert vor allem die organisierte Krimina-lität, die zum Teil auch die sogenannten harten Drogen anbietet. Um all diese Probleme zu lösen und junge Leute aufzuklären, muss Hanf dem Schwarzmarkt entzogen werden.

(Beifall bei der LINKEN)

Da ist es wie beim Alkoholverbot in den USA, bei dem nicht der Konsum bekämpft worden ist, sondern giftiger Alkohol aus Schwarzbrennereien in Umlauf gekommen ist.
Herr Präsident, ich komme zum letzten Satz. – Sie sehen, es gibt keine sinnvolle Begründung für die Verbotspolitik. Der Verkauf an Volljährige sollte staatlich reguliert und besteuert werden, damit wir das Geld endlich in bessere Aufklärung und Prävention investieren können.

Vielen Dank.

(Beifall bei der LINKEN und bei der SPD und Zustimmung von Helge Limburg [GRÜNE])

Meine Damen und Herren,

Sie sehen es gibt keine sinnvolle Begründung an der Verbotspolitik festzuhalten.

Stattdessen sollte der Verkauf an Volljährige staatlich reguliert und besteuert werden. Mit den Steuereinnahmen in Milliardenhöhe lassen sich Aufklärungs- und Präventionsmaßnahmen finanzieren.

Das Umdenken hat längst begonnen. In den USA hat Obama die medizinische Nutzung freigestellt. In Kalifornien will der konservative Gouverneur Schwarzenegger entkriminalisieren und besteuern. Weil sonst alle Steuer- und Beitragszahler für die Folgen der Massendrogen Alkohol, Tabak und Cannabis aufkommen, ist dieses Verursacherprinzip genau richtig.

Diese Antwort ist eine Dokumentation des totalen Versagens der „Null-Toleranz-Politik“, des Glaubens daran, dass man mit Verboten etwas für den Jugend- und Verbraucherschutz erreichen kann.

Die Rede kann im Wortlaut hier als MP3 (ca 11MB) heruntergeladen werden.

Landesregierung beantwortet Große Anfrage “Cannabispolitik in Niedersachsen”

Nach etwas mehr als einem halben Jahr hat die Landesregierung heute die Antwort auf die Große Anfrage “Cannabispolitik in Niedersachsen” vorgelegt. Die Gründe für die Einreichung der Anfrage können hier und die medialen Reaktionen hier nachgelesen werden.

Die Antwort der Landesregierung lässt viele Fragen offen, angeblich mangels vorliegender Zahlen. An den entscheidenden Stellen hinkt die Argumentation zudem gewaltig, weil sie konsequent ausgeführt zu einem Verbot von alkoholischen Getränken und Tabakprodukten führen müsste. Eine fundierte Auswertung folgt.

Auf den Seiten des Niedersächsischen Landtags kann die Antwort samt Anlagen abgerufen werden:
>>> Antwort (PDF)

Anhänge:
Anlage 1 (PDF)
Anlage 2 (PDF)

Antwort auf Große Anfrage Cannabispolitik soll im April vorliegen

Die Staatskanzlei des Landes Niedersachsen hat zwischenzeitlich für die Landesregierung mitgeteilt, dass sie plant die Große Anfrage “Cannabispolitik in Niedersachsen” im April 2010 zu beantworten. Man muss sich also noch ein paar Monaten gedulden und darf weiter gespannt sein, wie die Landesregierung mit den über 100 Fragen umgehen wird. Die Anfrage kann hier abgerufen werden.

Cannabisdebatte II: Englands Politik entlässt die Wissenschaft

Ergänzend zum vorgenannten Artikel möchte ich auf die aktuelle landesweite Debatte in Großbritannien verweisen:
Dass diejenigen, die bei diesem Thema – wie DIE LINKE – rationale Gesetzesänderungen anschieben wollen, einen schweren Stand gegen eine ignorante und populistische Lobby haben, zeigt beispielhaft ein aktueller Vorgang aus Großbritannien.

SPIEGEL Online berichtete in den vergangenen Tagen ausführlich über Professor David Nutt, den Vorsitzenden des 28-köpfigen Drogensachverständigenrats der britischen Regierung. Der Wissenschaftler und “größte Drogenexperte der Regierung” wurde am vergangenen Freitag von seiner Funktion enthoben, weil er “gesagt hatte, die legalen Drogen Alkohol und Tabak seien gefährlicher als die illegalen Drogen Ecstasy, LSD und Cannabis”. Der “Telegraph”-Kolumnist Philip Johnston kommentierte, dass Nutt aus Sicht der Wissenschaft richtig liege. “Die Gesetze seien absurd. Nutts einziger Fehler sei es zu glauben, Drogenpolitik habe etwas mit Wissenschaft zu tun.”

Cannabisdebatte I: Reaktion auf Falschinformationen der CDU

Dankenswerterweise hat der örtliche CDU-Landtagsabgeordnete die Große Anfrage der LINKEN zur “Cannabispolitik in Niedersachsen” mit einem umfangreichen Artikel der Leserschaft eines heimischen Anzeigenblatts vorgestellt. Wie so häufig kam der Politiker dabei jedoch nicht über eine populistisch anmutende Polemik mit zahlreichen Falschinformationen hinaus. Dennoch haben sich mehrere Leserinnen und Leser nicht in die Irre führen lassen und mir eine positive Rückmeldung zukommen lassen. Einer entschloss sich sogar direkt der LINKEN beizutreten. Dazu:

Perli reagiert auf Oesterhelwegs Falschinformationen: Wer Jugend- und Verbraucherschutz stärken will, muss Realitäten zur Kenntnis nehmen!

„Ulrich Wickert, Stefan Raab, Nena, der Landeschef der Polizeigewerkschaft und sogar die Junge Union Flensburg – es gibt eine lange Liste derer, die einen liberalen Umgang mit Cannabis fordern. Es ist das gute Recht von Frank Oesterhelweg eine andere Meinung zu haben“, sagte der LINKE-Landtagsabgeordnete Victor Perli. Auch wenn die Wähler der LINKEN es bereits gewohnt seien, bleibe aber unanständig, dass der CDU-Politiker Falschinformationen über DIE LINKE verbreite. Statt zu „verharmlosen“ solle die Große Anfrage an die Landesregierung den Realitäten auf den Grund zu gehen sowie die Prävention und den Jugend- und Verbraucherschutz stärken.
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Viel Lob für die Cannabis-Initiative

Viel positive Resonanz hat die Große Anfrage zur “Cannabispolitik in Niedersachsen” eingebracht. Die einen freut´s, dass sich auch in Deutschland endlich wieder ein Parlament und eine Regierung mit den Problemen befassen muss, die durch die überholte Gesetzgebung verursacht werden (weit über 100.000 Strafverfahren jährlich, Überlastung von Polizei und Justiz, mangelnde Aufklärung gegen problematische Konsummuster, Gesundheitsgefahren durch Streckmittel usw.). Andere sind positiv überrascht, dass dieser Vorstoß gerade von der LINKEN kommt, die bei diesem Thema zunehmend den Grünen den Rang abläuft. Aus der Grünen-Landtagsfraktion waren dann auch Stimmen zu hören, die ein wenig neidisch Respekt für die Qualität des Fragekatalogs bekundeten.

Der konservativ-wirtschaftsliberale und regierungsnahe “Rundblick/Nord-Report” schrieb am 16. Oktober unter dem Titel ‘Linke nimmt sich der Kiffer an’: “Mit einer 100 Einzelfragen umfassenden Großen Anfrage an die Landesregierung hat sich die Landtagsfraktion der Linken dem Thema Cannabiskonsum in Niedersachsen gewidmet. Dabei geht die Fraktion weit über das in diesem Zusammenhang häufig geforderte „Legalize it“ hinaus. (…) Vor dem Hintergrund, dass die Steuer- und Beitragszahler für die Folgen das Drogenkonsums aufkommen, gilt die Frage nach einer Legalisierung in Verbindung mit Besteuerung auch hierzulande als diskussionswürdig.”

Besonders lobend meldet sich der Deutsche Hanf Verband (DHV) zu Wort, der die professionelles Interessenvertretung der hiesigen Hanfbranche darstellt. Auszüge aus der öffentlichen Stellungnahme:

Die Linksfraktion im niedersächsischen Landtag hat eine “Große Anfrage” zur Cannabispolitik an die Landesregierung gerichtet. (…)
Georg Wurth, Sprecher des Deutschen Hanf Verbandes, begrüßt die Initiative der Linken: “Die Große Anfrage ist das stärkste Instrument, das eine Oppositionspartei im Parlament zur Verfügung hat. Das macht eine Fraktion nicht alle Tage. Schön, dass die Linken in Niedersachsen diesen Trumpf auf die Cannabispolitik gesetzt haben. Das bringt das Thema voran und stärkt die Glaubwürdigkeit der Linken.” (…) [Weiterlesen →]

DIE LINKE legt Große Anfrage zur Cannabispolitik in Niedersachsen vor – Perli: „Kriminalisierung schadet mehr als sie nutzt!“

zur Anfrage geht es hier

DIE LINKE im Niedersächsischen Landtag hat die aus Hanf gewonnene Droge Cannabis (Haschisch und Marihuana) zum Thema einer Großen Anfrage gemacht. Mit dem über 100 Fragen umfassenden Katalog will sie umfassend Auskunft darüber gewinnen, wie in Niedersachsen mit der am weitesten verbreiteten illegalen Droge in Deutschland umgegangen wird. Themen der Anfrage sind unter anderem die Konsumpraxis, die bestehenden Präventionsangebote, der Verbraucherschutz sowie die Strafverfolgung und Entlastungsmöglichkeiten für Polizei und Justiz. Das Bundesministerium für Gesundheit geht von bundesweit mehr als zwei Millionen Konsumenten aus; jährlich werden in Zusammenhang mit Cannabis mehr als 100.000 Strafverfahren eingeleitet. [Weiterlesen →]

Cannabis-Verbot fördert gesundheitsgefährdende Ersatzdrogen

>>> Die Antwort der Landesregierung auf die Kleine Anfrage zum Spice-Verbot hier nachlesen (PDF-Datei).

Über die Modedroge Spice ist seit einiger Zeit in den Medien viel zu hören, zu lesen und zu sehen, insbesondere durch die ergangene Verbotsverfügung, nachdem in dieser „Kräutermischung“ gesundheitsgefährdende Inhaltsstoffe gefunden wurden. Wissenschaftler haben bei dem Wirkstoff von Spice, dem Cannabinoid JHW-018, eine höheren Gefahr ausgemacht als beim Cannabis-Wirkstoff THC. Problematisch ist der Spice-Wirkstoff vor allem, da keine Langzeitstudien existieren, da es Anzeichen gibt, das die Abbauprodukte von JHW-018 im Körper krebserregend sind. Welche Substanzen, chemischer Art sonst noch in Spice enthalten sind, ist weiterhin ungeklärt.
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