Gesammelte Artikel der Rubrik 'Sozialismus & Grundsätzliches'

Alle Atomkraftwerke unverzüglich abschalten – auch niedersächsische Reaktoren sind nicht sicher!

Hannover. DIE LINKE im Landtag hat angesichts der Erdbeben-Katastrophe in Japan und der Explosion im Atomkraftwerk Fukushima 1 gefordert, die Nutzung von Atomkraft in Deutschland zu beenden. „Die drei niedersächsischen Reaktoren müssen unverzüglich abgeschaltet werden. Zwar ist ein solches Erdbeben bei uns unwahrscheinlich, dennoch ist die Katastrophe in Japan ein Beleg dafür, dass die Risiken der Atomenergie nicht beherrschbar sind“, sagte Kurt Herzog, der umweltpolitische Sprecher der Fraktion. Er kritisierte die Reaktionen von CDU und FDP, die reflexartig erklärten, so etwas könne in Deutschland nicht passieren. „Der Hinweis, es habe bisher keinen schweren Störfall in Deutschland gegeben ist, ein Totschlagargument“, sagte Herzog. [Weiterlesen →]

Drunter machen wir’s nicht!

In einem aktuellen Plädoyer äußere ich mich mit weiteren jungen Mitgliedern der LINKEN aus dem Jugend- und Studierendenverband im Rahmen der Programmdebatte zu den Mindestbedingungen für Regierungsbeteiligungen. Der Text unterstreicht die Bedeutung des “Markenkerns” der LINKEN als Partei der sozialen Gerechtigkeit, der Rückeroberung des Sozialstaatsprinzips, der Stärkung der Demokratie und der friedlichen Außenpolitik. Daraus ergeben sich für die UnterzeichnerInnen eindeutige Mindestbedingungen für Regierungsbeteiligungen: kein Sozialabbau, kein Stellenabbau im öffentlichen Dienst, keine Privatisierung öffentlichen Eigentums und auf Bundesebene die konsequente Ablehnung von Auslandseinsätzen der Bundeswehr.

Im Papier heißt es: “Wir brauchen als Partei Mindestbedingungen, damit wir uns nicht ‘unter Wert’ für eine Politik hergeben, die nicht unseren Zielen entspricht. Dies ist gegenüber unseren WählerInnen und Mitgliedern nur fair: Wir machen klar, wozu wir bereit sind, und wozu auf keinen Fall. Mindestbedingungen sind die Rückversicherung für diejenigen, die oft genug auf Versprechungen vertraut haben, welche am Ende nicht nur enttäuscht, sondern ins Gegenteil verkehrt wurden.”

Der vollständige Text ist unter www.drunter-nicht.de nachzulesen.

Gysi im Bundestag für die sofortige Beendigung des Afghanistankrieges

Wieder mal ein überzeugendes Statement gegen den Krieg von unserem Fraktionsvorsitzenden im Bundestag.

Die K-Frage… der Kapitalismus ist ungerecht und menschenverachtend


Jean Ziegler, bis 2008 UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, Mitglied im UN-Menschenrechtsrat
Quelle: Kinofilm/Dokumentation: “We feed the world

Ein auführlicher Vortrag von Jean Ziegler findet sich hier.

CDU und FDP wollen ein Versammlungsverhinderungsgesetz!

Hannover. DIE LINKE im Landtag hat nach der heutigen Beratung im Innenausschuss erneut den Koaltions-Entwurf zum Versammlungsgesetz scharf kritisiert. „Es ist und bleibt ein Versammlungsverhinderungsgesetz“, sagte der LINKEN-Abgeordnete Victor Perli. Das im Grundgesetz verankerte Recht auf Versammlungsfreiheit werde ausgehebelt: Die im Gesetz vorgesehenen Anmeldefristen, polizeilichen Überwachungsrechte, Pflichten des Anmelders und Straf- und Bußgeldvorschriften sind aus Sicht von Perli eine einzige Zumutung. „Was CDU und FDP von der Versammlungsfreiheit halten, zeigt sich insbesondere am starrköpfigen Festhalten an der Bannmeile um den Landtag. Der Vorschlag, Demonstrationen lediglich in den Parlamentsferien zuzulassen, ist absurd“, sagte Victor Perli.

Marx ist Pop!

Der folgende Vortrag von David Harvey zum Wesen und Verlauf der aktuellen Krise bietet, unterstrichen von einer unterhaltsamen Animation, einen kompakten Einblick in die Argumentationsweise marxistischer Analysten. Allerdings werden solide Englischkenntnisse vorausgesetzt.

Ergänzend dazu das folgende lustige Video, welches beweist, dass Marx Pop ist.

“So ein bescheuertes Urteil”

Update: Bericht von Bodo Ramelow zur Gerichtsverhandlung auf seiner Webseite lesen. Klick

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat gestern entschieden, dass der Verdacht des Verdachtes für einen Verdacht auf “Anhaltspunkte für extremistische Bestrebungen” ein ausreichender Grund ist, um die rund 80.000 Mitglieder der Partei DIE LINKE unter Generalverdacht zu stellen. Sie alle dürfen – ohne das Vorliegen irgendeiner Verfehlung – vom Verfassungsschutz überwacht werden. Dieses Skandal-Urteil höhlt demokratische Rechte in unserem Land aus! Heribert Prantl spricht in der Süddeutschen Zeitung zu recht von einem Fehlurteil, das “nicht nur rechtswidrig, sondern dumm” ist.

Doch obwohl die Mehrheit der Bundesländer ihren Verfassungsschutz schon lange nicht mehr auf DIE LINKE ansetzt, hat sich die damit bis auf Weiteres die Haltung der letzten verbliebenen CDU-Innenminister durchgesetzt, die den Geheimdienst schon lange als verlängertes parteipolitisches Instrument missbrauchen. Der Fraktionsvorsitzende der LINKEN im Thüringer Landtag, Bodo Ramelow, wird jetzt vor dem Bundesverfassungsgericht klagen. Für diesen Schritt hat er die Unterstützung der gesamten Partei.

Es ist keine große Überraschung, dass entgegen des sonstigen medialen Gepflogenheiten die weit überwiegende Mehrheit der deutschen Tageszeitungen – auch solche die politisch dem konservativen Spektrum angehören – scharfe Kritik an diesem Urteil äußern. Einige Auszüge:

Neue Osnabrücker Zeitung:

“Der Verfassungsschutz ist dazu da, die Verfassung zu schützen – und zwar vor ernsthaften Bedrohungen. Dass Demokratie und freiheitliche Grundordnung kostbarste Güter sind, die es zu wahren gilt, haben uns die düsteren Erfahrungen gelehrt. Die Linkspartei als wirkliche Bedrohung für das System zu begreifen und sie deshalb vom Verfassungsschutz beobachten zu lassen wirkt aber eher wie die Überreaktion des hilflosen Staates denn wie eine zielführende Maßnahme gegen wahre Verfassungsfeinde.”

Süddeutsche Zeitung:

Die Linkspartei “kritisiert zwar den Kapitalismus. Aber der Kapitalismus gehört nicht zu den vom Grundgesetz geschützten Gütern. (…) Der Geheimdienst ist keine zentrale Kritik-, Registrier- und Beobachtungsstelle. Man kann sich ja über Oskar Lafontaine und Bodo Ramelow ärgern, man mag ihre Politik für unseriös, unausgegoren oder auch unsinnig halten. Aber politischer Ärger kann kein Anlass sein, den Leuten den Verfassungsschutz auf den Hals zu jagen. Wer die Linken auf diese Weise als Anti-Demokraten denunziert, muss sich nach seinem eigenen Demokratieverständnis fragen lassen. Wenn die Linke nach Meinung der anderen Parteien, Unsinn reden, geht das den Verfassungsschutz nichts an. Er hat eine klar umrissene Aufgabe: Er soll Gruppierungen beobachten, die auf einen Umsturz hinarbeiten. Er soll Gruppierungen observieren, die ihre Politik nicht mit demokratischen Mitteln, sondern irregulär und gewaltsam durchsetzen wollen. Nicht mehr, nicht weniger.“

Frankfurter Rundschau:

Die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts, “mit der es – anders als die Vorinstanzen – die Observierung des Thüringer Linksfraktionschefs Bodo Ramelow erlaubt, ist nicht nur falsch, sie ist miserabel. Sie beschädigt nicht nur Ramelow als Person, sie verwechselt auch den Boden der freiheitlichen demokratischen Grundordnung mit der politischen Bühne.”

Mannheimer Morgen:

“Doch der Linken insgesamt kann man nicht ernsthaft unterstellen, sie wolle die freiheitlich-demokratische Grundordnung beseitigen. Wer alle Mitglieder unter Generalverdacht stellt und bei Bedarf vom Verfassungsschutz beobachten lässt, macht sie nicht nur lächerlich. Er ermöglicht den Betroffenen auch, sich zum Opfer staatlicher Willkür zu stilisieren. Und schwächt selbst unser System: indem der Grundsatz der Meinungsfreiheit ausgehöhlt wird.“

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Volker Pispers zum Sozialismus als “Sieger der Herzen”

Am 15. März überschrieb die Financial Times Deutschland einen Artikel mit “Mehrheit der Deutschen wünscht sich sozialistischen Staat“. Unter Berufung auf eine Emnid-Umfrage heißt es darin, dass sich eine große Mehrheit der Deutschen vorstellen könnte in einem sozialistischen Staat zu leben, solange für Arbeitsplätze, Solidarität und Sicherheit gesorgt wäre. In den östlichen Bundesländern hätten sich 80 Prozent der Befragten entsprechend geäußert, in den westlichen bis zu 72 Prozent.

Dazu kommentiert der Kabarettist Volker Pispers:

Keine Lust auf Kapitalismus

Die Ergebnisse einer Umfrage der englischen BBC zum Thema Kapitalismus erregen derzeit großes Aufsehen. Eine klare Mehrheit der Teilnehmer aus 27 Ländern zeigt sich äußerst unzufrieden mit der dem derzeitigen Wirtschaftssystem.

So sind 89% der Befragten der Meinung, dass der Kapitalismus nicht gut funktioniert. 51% glauben,dass die durch den Kapitalismus verursachten Probleme durch staatliche Regulierung und Reformen gelöst werden können. 23% hingegen wollen den Kapitalismus ganz abschaffen. Dabei ist es interessant, den Unterschied zwischen den französischen und den deutschen Ergebnissen unter die Lupe zu nehmen. Während im Mutterland der Revolution 43% den Kapitalismus komplett ablehnen sind es in Deutschland nur 8% der Befragten. Weiterhin fordern 67% der Umfrageteilnehmer, dass die jeweilige nationale Regierung den Wohlstand gleichmäßiger verteilen soll. Nur 11% sprechen sich für eine freie unregulierte Marktwirtschaft aus.

Die von Francis Fukuyama anlässlich des Zusammenbruches der realsozialistischen Staaten aufgestellte These vom “Ende der Geschichte” scheint also noch nicht das letzte Wort gewesen zu sein.

Passend hierzu die erste Rede von Sahra Wagenknecht im Deutschen Bundestag vom 11. November 2009:

Die Lesedüne mit “Bequemes System”

Marc-Uwe Kling und weitere junge Künstler mit ein bißchen Systemkritik

Oskar Lafontaine: Mehr Freiheit und Demokratie!

Oskar Lafontaines fulminante Rede zum 60-jährigen Jubiläum des Grundgesetzes, gehalten am 14. Mai 2009 im Deutschen Bundestag.

“Die Krise ist auch eine Chance”

In den letzten Tagen bin ich endlich wieder dazu gekommen, mich mit theoretischen Analysen zu befassen und vor allem solchen, die sich mit den Auswirkungen der aktuellen Strukturkrise des Kapitalismus beschäftigen. In diesem Zusammenhang habe ich ein interessantes Interview in der Tageszeitung Junge Welt gelesen, auf dass ich an dieser Stelle hinweisen möchte. Darin wird der promovierte Politikwissenschaftler Mario Candeias zum Charakter und den Konsequenzen der Krise befragt.
Nicht nur er hat den Eindruck, dass der bevorstehende tiefgreifende Epochenwandel in Deutschland noch nicht realisiert worden ist.

Auszug:
Wie angemessen ist die deutsche Politik in dieser Situation?
Gar nicht. Der Ökonomie-Nobelpreisträger Paul Krugman hat recht: »In Deutschland begreift man das ungeheure Ausmaß der Krise immer noch nicht.« Merkel und Steinbrück erweisen sich als »gewaltiges Hindernis« für ein »gemeinsames Handeln« der EU gegen die Krise. Mit koordinierten Konjunkturprogrammen scheint Steinbrück »ein echtes Problem zu haben«. Die Regierung versucht, mit dem Allernötigsten, nur leichten Anpassungen und Regulierungen durch die Krise zu kommen, den Neoliberalismus zu relegitimieren und weitergehende Maßnahmen zu blockieren. Sie wartet, daß die Konjunkturprogramme der Amerikaner, Chinesen und anderer greifen und der Export wieder in Gang kommt – ein geradezu provinzieller Chauvinismus. Aber die USA fallen auf lange Frist als »globaler Konsument« aus. Ihr Modell hoher Konsumraten, auf Pump finanziert durch massive Kapitalimporte aus aller Welt, ist vorüber. Auch die Deutschen müssen sich wie die Chinesen auf die Suche nach einem neuen Entwicklungsmodell machen: die einseitige Orientierung auf Exportwachstum bei Vernachlässigung der Binnennachfrage und auf Kosten internationaler Ungleichgewichte wird in Zukunft nicht mehr in der bekannten Weise funktionieren.