Rede in der abschließenden Beratung zum Antrag “Orientierungshilfe für lebenslanges Lernen schaffen – Modellprojekte für Bildungsberatung einrichten” der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen
Victor Perli (LINKE):
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Die Floskel vom lebenslangen Lernen wird viel bemüht. In der Geschichte der Menschheit gab es aber sicherlich keine einzige Generation, in der die Menschen nicht ihr ganzes Leben lang auf verschiedenen Wegen, mit verschiedenen Mitteln und in vielerlei Hinsicht dazugelernt haben. Allerdings hat in unserer heutigen Gesellschaft der formale Bildungsweg eine besondere Bedeutung. Er ist die Eintrittskarte oder das Ausschlusskriterium für persönlichen und beruflichen Erfolg sowie für Teilhabe und Integration in der Gesellschaft.
Wenn sich Menschen heute weiterbilden möchten, sind verschiedene Aspekte wichtig. Die verschiedenen Wege und Möglichkeiten müssen bekannt sein. Staat und Gesellschaft können durch Anreize und durch eine Informations-, Angebots- und Leistungsvielfalt zur Motivation beitragen und Weiterbildung fördern. Hierzu gehört sicherlich auch der Bereich der Bildungsberatung, über den wir heute sprechen.
Bislang mangelt es einerseits oft an den entsprechenden Kenntnissen. Andererseits ist manchmal der Zugang zu Weiterbildungsangeboten aus verschiedenen Gründen beschränkt. Entscheidend für die Aufnahme von Weiterbildungsangeboten ist letztlich immer die Frage, ob man sich das Angebot leisten kann. Die Kenntnis der bestehenden Wege und Möglichkeiten allein ist kein Erfolgsgarant, um wesentlich mehr Menschen einen Zugang zur eigenen Weiterbildung zu offerieren und nahezulegen.
Die zunehmende Bildungsprivatisierung schließt viele Menschen von vorhandenen Bildungsmöglichkeiten kategorisch aus. Studiengebühren oder etwa die Kosten für Weiterbildungsstudiengänge an den Hochschulen sprechen ebenfalls eine deutliche Sprache. Sicherlich gibt es Arbeitgeber, vor allem die großen Unternehmen und Konzerne, die in der Lage sind, die Weiterbildungskosten und die mit dem Angebot verbundenen Ausfallzeiten für ihre Arbeiter und Angestellten zu tragen. Viele kleine und mittelständische Unternehmen können dies allerdings nicht. Ihre Arbeiter und Angestellten werden von Weiterbildungsangeboten systematisch ausgeschlossen.
Die Bildungsprämie der Bundesregierung ist nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die Linke tritt für ein bundesweites Weiterbildungsrahmengesetz ein, weil nur so ein großer Sprung bei der Weiterbildung und beim Zugang zu Weiterbildungsangeboten möglich werden kann. Dennoch hält meine Fraktion die Förderung von Modellprojekten im vorliegenden Antrag eindeutig für einen Schritt in die richtige Richtung.





