Jugendarbeit, Ehrenamt und Schritte gegen Kinderarmut

Bedeutung der Jugendarbeit

Die Jugendarbeit ist bundesweit in einer beispiellosen Weise zum Opfer von kurzsichtigen Kürzungen geworden, obwohl die Jugendsozialarbeit, die offene Jugendarbeit und das ehrenamtliche Engagement in Verbänden die Orte sind, wo sich Kinder und Jugendliche eine selbstbestimmte Freizeitgestaltung, ein solidarisches Miteinander und die gewaltfreie Vertretung ihrer Interessen aneignen können.

Es bedarf für die Zukunft einer gemeinsamen Verständigung darüber, wie Bund, Länder und Kommunen die Kinder- und Jugendhilfe wieder ausbauen und mit entsprechenden finanziellen Mitteln ausstatten können. Eine besondere Bedeutung messe ich dabei der Unterbindung des aufkeimenden Neofaschismus und anderen Formen der geistigen Verrohung Jugendlicher zu.

Anerkennung Ehrenamt

Insbesondere das Ehrenamt Jugendlicher, die Verantwortung zum Beispiel für Jugendgruppen und -freizeitangebote übernehmen, ist zu fördern. JuLeiCa-InhaberInnen sollten etwa kulturelle Angebote oder den ÖPNV vergünstigt nutzen können.

Wir sind jedoch gegen eine besondere Herausstellung des Ehrenamts, wenn diese nur als Ersatz für öffentliche Aufgaben dient. Wir wollen einen Ausbau des öffentlichen Beschäftigungssektors und damit auch neue Stellen im Jugendbereich schaffen.

Berührungspunkte

Ich habe mich mehrere Jahre in Sportvereinen engagiert, zum Entstehen eines selbstverwalteten Jugendclubs beigetragen und zwei Jahre im Vorstand des Kreisjugendrings Wolfenbüttel gesessen.

Zuletzt war ich insbesondere in der politischen Jugendverbandsarbeit tätig und habe als Mitglied im BundessprecherInnenrat der Linksjugend ['solid] u.a. die Kampagne “Aufmucken gegen Rechts” mitinitiiert. Gemeinsam mit Gewerkschaftsjugenden und LandesschülerInnenräten wurden 50.000 Musik-Sampler mit bekannten Bands verteilt, um junge Menschen gegen Rassismus und andere braune Töne zu aktivieren.

Das Ziel muss sein die Qualität von Bildung, Lehre und Lernorten generell zu verbessern und dem privatwirtschaftlich geförderten Trend zur Herausbildung von Elite- und Restschulen entgegenzuwirken.

Kinder aus einkommensschwächeren Familien werden im bestehenden Schulsystem strukturell benachteiligt. Wir sind für ein gemeinsames Lernen bis zur zehnten Klasse und damit für die Integrierte Gesamtschule (IGS) als Regelschule. Alle internationalen Vergleiche belegen, dass dies die beste Schulform ist.

konkretes Ziel

Grundlage für eine umfassendere und gerechtere Bildung ist die Gründung neuer Integrierter Gesamtschulen. Außerdem sind die finanziellen Hürden auf dem Weg zu Bildungsabschlüssen zurückzunehmen. Die Lernmittelfreiheit muss wieder hergestellt werden und die Studiengebühren gehören abgeschafft.

Möglich wird das alles erst, wenn der Druck auf die Landesregierung außerhalb des Parlaments, etwa durch Initiativen, Petitionen und Demonstrationen wesentlich erhöht wird.

Ganztagsschule

Die steigendende Lerndruck und die Verkürzung der Gymnasialschulzeit behindern Freizeitbetätigung und Engagement außerhalb der Schule. Hinzu kommt, dass Jugendverbänden kaum Möglichkeit gegeben wird direkt auf SchülerInnen zuzugehen und Verbandsarbeit schmackhaft zu machen.

Kleine Veranstaltungen während der Schulzeit, bei denen sich alle vor Ort vertretenen Jugendverbände präsentieren können, sollten jährlich zur Regel werden.

Zudem brauchen engagierte SchülerInnen mehr Aufklärung über ihre Rechte, etwa bei AG-Gründungen und Materialverteilungen in der Schule.

Schritte gegen Kinderarmut

Damit auch die fast 205.000 Kinder und Jugendlichen unter 15 Jahren, die heute den verminderten HartzIV-Regelsatz beziehen, eine Sorge weniger haben, sollte es an allen Schulen eine kostenlose Schulspeisung geben.

Es bedarf eines Schulsystems das auch Kindern mit weniger hausgemachten Chancen fördert und Selbstbewusstsein vermittelt, anstatt frühzeitig nach wirtschaftsorientierten Leistungskriterien auszusortieren.

Tatsächlich lösen kann man das Problem Kinderarmut aber erst, indem alle Menschen ein gesichertes Einkommen haben. Eine bedarfsorientierte soziale Grundsicherung muss die entwürdigenden Hartz-Gesetze ersetzen.

Besondere Förderung

Ich halte es für unnötig hier eine besondere Unterscheidung zu machen. Wer einer besonderen Förderung bedarf, soll diese auch bekommen.

Auch Menschen mit Handicap sollten besser in die “normalen” Schulen eingebunden werden, anstatt auf Förder- und Behindertenschulen isoliert zu werden.